Friday, September 22, 2017   Last Update: 7:44 AM EST
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Kommentar

 
 
 


Die Suppe auslöffeln

AW #10/2017 - 14. August 2017

Liebe Leserinnen und Leser,
wie wurde der Diesel doch gepriesen Sauber sei er, viel
sauberer als Benziner, und damit natürlich auch viel
umweltfreundlicher. Die deutsche Bundesregierung
förderte sogar den Kauf von Dieselfahrzeugen, sogar
der Diesel-Sprit wurde anders, eben günstiger besteuert.
Und nun der große Knall: Der Diesel ist jetzt maßgeblich
für die Umweltverschmutzung verantwortlich.
Ist das wirklich eine so große Überraschung? Klar,
nicht alles was man nicht sehen kann ist sauber. Und
wer sich an die Rußwolken aus dem Diesel-Auspuff
erinnern kann, der wird sich schon immer gedacht
haben, dass das nicht allzu gut sein kann. Beim Benziner
sah man ja auch höchstens bei kaltem Wetter
eine Auspuffwolke. Nein, dass der Diesel immer schon
ein Schmutzfink war, das war ganz eindeutig. Nur
die Industrie wollte es nicht wahrhaben, schließlich
war die Herstellung des Diesel-Treibstoffs wesentlich
günstiger als bei Normal- und Superbenzin. Und
jetzt sind wieder einmal die kleinen Leute die Leidtragenden,
die nicht das große Geld haben um sich
einen neuen und damit vermeintlich viel sauberen
Diesel zu kaufen, sondern ihren alten Benz oder
was auch immer in der Garage stehen haben. Auf
sie werden aller Wahrscheinlichkeit Fahrverbote
zukommen - also auf die Diesel. Und dann? Es wird
sich noch zeigen, welche Auswirkungen das haben
wird. Eines ist ganz klar: Die Verbraucher wurden
getäuscht und können jetzt nur eines: Die nicht
selbst aufgetischte Suppe wieder einmal auslöffeln.

Alles Gute, Ihr
Don R. Vigo
Editor-in-Chief

 

Ein Sieg für die Demokratie!

AW #5/2016 - 28. März 2016

Liebe Leserinnen und Leser,
wer aus seinen Fehlern nicht lernt, der wird irgendwann
bestraft. Genau das haben jetzt die Wähler in
drei deutschen Bundesländern sowohl mit der Regierungskoalition
als auch mit den Grünen getan. Die
Freude über die einstige Vorzeigekanzlerin ist ob ihrer
selbstherrlichen Machtausübung gegen jeden Verstand
einem blankem Entsetzen gewichen und die Grünen
haben sich selbst ins Abseits manövriert. Vielleicht hat
der Drogenfund beim Grünen-Bundestagsabgeordneten
Volker Beck das sprichwörtliche Fass nur zum Überlaufen
gebracht. Die „Argumente“ aus der vergangenen
Ausgabe der Amerika-Woche, die Sie vielleicht als etwas
„harsch“ empfunden haben, haben - nicht nur - durch
Beck eine fulminante Bestätigung gefunden. Unglaublich!
Aber zurück zu den Wahlen. Das Erschreckendste
im Nachspiel dieses Volksvotums ist nicht eine mögliche
schwierige Regierungsbildung und schon gar nicht das
gute Abschneiden der Alternative für Deutschland,
AfD. Das musste so kommen, und Frauke Petry und
ihre Mannschaft werden weiter für Furore sorgen.
Das war auch längst überfällig, denn wenn vor allem
die Regierungskoalition mehr wohlwollende Politik
für Wirtschaftsmigranten macht als für die eigene
Bevölkerung, dann hat diese - ganz realistisch und
objektiv betrachtet - jede Daseinsberechtigung verloren.
Der eigenen Bevölkerung werden Freizeitstätten ohne
Ende genommen, um dort sogenannte Flüchtlinge
einzuquartieren. Übrigens: Die ganze Terminologie in
Bezug auf „Flüchtlinge“ ist von Grund auf falsch, sie
müsste komplett neu definiert werden, denn sogenannte
„Wirtschaftsflüchtlinge“ sind keineswegs Flüchtlinge.
Haben Merkel und Co. wirklich geglaubt, dass das
auf alle Zeiten gut geht. Der deutsche Michel braucht
vielleicht etwas länger, aber wenn er sich erhebt,
dann ... Okay, kommen wir zu dem Erschreckendsten
zurück: Das ist ganz zweifelsfrei die Tatsache, dass
ausgerechnet die AfD es nun geschafft hat, Hunderttausende
Nichtwähler, also Bürger, die sich bereits von
den etablierten Parteien und der deutschen Politik
abgewandt hatten, wieder an die Wahlurnen zu bekommen.
Diese Wahl war ein Sieg für die Demokratie!

Alles Gute, Ihr
Don R. Vigo
Editor-in-Chief

 

Frauen an den Ball oleì oleì oleì!

AW# 27/28 - 4./11. Juli 2011

Liebe Leserinnen und Leser,
na, das wurde doch auch mal Zeit, oder? Endlich rücken die Frauen einmal
ganz anders ins Bild der Öffentlichkeit, als das ansonsten
Schicki-Micki-Damen wie Heidi Klum, Claudia Schiffer oder ander
Laufstegkanonen uns das gerne weis machen möchten. Liebe Herren der
Schöpfung, was wäre Ihnen denn lieber? Eine Frau, mit der man wirklich
etwas anfangen kann oder ein kleines dummes Modepüppche, das nichts
anderes im Kopf hat als ihre überlangen rotlackierten Fingernägel.
Zugegeben, die mögen auf der Haut ja ganz erotisch wirken, aber brauchen
Sie so etwas zuhause, im Alltag? Und dann dieser Satz: „Komm‘ mir nicht
an meine Haare!“ Nun, da könnte ich persönlich ausflippen, denn was habe
ich von einer Frau, die ich nur auf Veltins-Art genießen darf? Sie
wissen schon, diese Bierwerbung mit dem Ex-Schalke-Manager Rudi Aussauer
und seiner Ex-Freundin Simone Thomalla, auch bekannt als Eva Saalfeld im
Leipziger „Tatort“. Also, in der Werbung heißt es so schön „Nicht
anfassen, nur angucken“ - oder umgekehrt. Aber da geht es nur um ein
Bier, und das trinke ich eh so gut wie nie. Meine Frau aber möchte ich
anfassen, nicht nur ab und zu, sondern als meine Freundin und Partnerin
jederzeit - und das, ohne auf eine Frisur oder lange Fingernägel zu
achten. Worauf will ich hinaus? Ach ja, unsere Mädels kicken seit
Sonntag bei der Damen-Fußballweltmeisterschaft um hohe Ehren, und das
auch noch im eigenen Lande - und das sind auch allesamt Frauen zum
Anfassen, so scheint es zumindest. Zugegeben, die Frisuren der Damen
sind nicht unbedingt der letzte Schrei, mir persönlich gefallen da die
kurzen dunklen Haare von Abwehrspielerin Linda Bresonik noch am besten -
aber mein persönlicher Geschmack ist ja nicht Gegenstand dieser
Argumente. Wohl aber der Typ Frau, den man sicherlich nicht auf den
Laufsteg schicken würde - wobei die eine oder andere aber selbst da
vielleicht eine gute Figur abgeben würde. Bei den Damen aus dem Team von
Nationaltrainerin Silvia Neid interessiert das wohl kaum jemanden, vor
allem nicht dann, wenn sie auf dem Rasen stehen. Und da haben sie nun
die Möglichkeit, einen großen Titel einzuheimsen - wieder einmal. Wir
wünschen es Ihnen auf jeden Fall von ganzem Herzen, damit das so gerne
zitierte Sommermärchen 2011 wahr wird. Also, nicht Kinder an die Macht,
wie unser aller Herbert Grönemeyer einst sang - wobei diese Alternative
auch äußerst reizvoll wäre-, sondern Frauen an den Ball. Wir drücken die
Daumen! Oleì, oleì oleì oleì...

Alles Gute, Ihr
Don R. Vigo
Editor-in-Chief

 

Obama und Merkel Hand in Hand!

Liebe Leserinnen und Leser,
Verwirrungen kann es immer einmal geben, überall. Und so wollen nicht
zuletzt auch wir der Bundesregierung zustehen, daß sie nicht nur auch
einmal verwirrt sein kann, sondern sich auch irren kann. Wie sehr Sie,
liebe Leserinnen und Leser, auch darüber diskutiert haben mögen: das
Deutschland dem westlichen Bündnis in Sachen Libyen (wer ist eigentlich
auf die idiotische Idee gekommen, bei diesem Namen das „y“ in die zweite
Silbe zu verlegen?) nicht beigestanden sondern sich viel- mehr auf eine
Stufe mit Rußland und China - zwei Staaten, in denen Demokratie ebenso
ein Fremdwort ist wie in Deutschland Ambiguität (was für
„Doppelsinnigkeit, Zweideutigkeit“ steht) - gestellt hat, ist in der
demokratischen internationalen Politik überhaupt nicht gut angekommen.
Nun aber hat der Besuch von Angela Merkel bei Präsident Barack Obama
doch einiges bewirkt, denn Bundesaußenminister de Maizieìre schließt für
die Zukunft deutsche Truppen in Libyen nicht mehr kategorisch aus.
Nicht, daß überall in der Welt deutsche Truppen stationiert sein müßten,
wahrlich nicht. Aber wenn man zu einem Bündnis gehört - so wie eben die
Bundesrepublik und die Vereinigten Staaten zur NATO gehören -, dann
sollte man an einem Strang ziehen. Vor allem dann, wenn es darum geht,
wahnsinnige Diktatoren wie Gadaffi in Libyen oder aber auch Präsident
Baschar al-Assad in Syrien in ihre Schranken zu verweisen. Wie gesagt,
es geht nicht um Kriegstreiberei und schon gar nicht um neue
Kolonialbestrebungen, wie ein Leserbriefschreiber in der Amerika Woche
schon anheim gestellt hatte. Aber wenn es eine internationale
Staatengemeinschaft gibt, die sich zumindest dann einschaltet, wenn es
um elementare Menschenrechte geht, dann sollten die freien Staaten
zueinander halten. Natürlich funktioniert das nicht immer, wie das
Beispiel China nur allzu deutlich zeigt. In dem Land der Betonköpfe
können noch so viele Dissidentenköpfe rollen, solange die westliche Welt
im Reich des Drachens Milliarden verdienen kann, läßt sie die
kommunistischen Machthaber gewähren und hofiert sie sogar noch. Sie
merken, daß mich das immer wieder aufregt, ja?!? Aber zurück zum Thema:
Der Besuch von Frou Buundeskan- cler kam genau im rechten Moment. Und so
war das Treffen auch mit Harmonie gesegnet, was sowohl Präsident Obama
als auch der CDU-Politikerin deutlich anzusehen war. Ebenso deutliche
Worte dürften aber auch hinter verschlossenen Türen gefallen sein,
nämlich die Mahnung, immer darauf zu achten, wer Freund und wer Feind
ist, mit wem man an einem Strang zieht und mit wem eben nicht.
Deutschland und Amerika - das ist eine historische Freundschaft und
Partnerschaft, und diese wird von niemanden auf‘s Spiel gesetzt. Hätte
eigentlich nur noch eines gefehlt: Obama und Merkel Hand in Hand...
Alles Gute, Ihr
Don R. Vigo
Editor-in-Chief

 

Persona non grata!

Liebe Leserinnen und Leser,

über politische Themen lässt es sich eigentlich hervorragend diskutieren und auch streiten. Dass es dabei manchmal auch laut werden kann, das wird wohl jeder schon einmal selbst erlebt haben. Was am Stammtisch vielleicht sogar Sitte ist, das gehört sich in der Politik aber auf keinen Fall.

Und jetzt gibt es einen, der von den finanziellen und politischen Problemen im eigenen Land nur allzu gerne ablenken möchte und seit geraumer Zeit einige ideale Feindbilder aufgebaut hat. Die Rede ist hier vom sozialdemokratischen Bundesfinanzminister Peer Steinbrück, der allen politischen und auch persönlichen Anstand zu verloren haben scheint. Denn die Art und Weise, wie dieser Komiker mit den Regierungen von europäischen Nachbarländern umspringt ist einfach eine riesengrosse Sauerei, eine Unverschämtheit sonder gleichen.

Der zuweilen auch offen im Fernsehen mit dem Bierglas in der Hand zu sehende Möchtegern-Superman droht doch tatsächlich der Schweiz mit der Peitsche, sollte sie ihr Bankgeheimnis nicht lockern. Wohlgemerkt: Ein deutscher Bundesfinanzminister droht einem souveränen Nachbarland, offen und unverhohlen.

Die verbalen Entgleisungen Steinbrücks gehen so weit, dass den in der Schweiz lebenden Deutschen oftmals eine neue Welle des Ausländerhasses entgegen schwappt - und das in der heutigen Zeit. Kein Wunder, dass die Schweizer sich an Nazi-Zeiten erinnert fühlen, wenn dieser unsägliche Steinbrück sich derart aufführt.

Doch es kommt noch schlimmer, denn dieser Bundesfinanzminister erhält auch noch Rückendeckung von seiner Chefin, der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel. Anscheinend kann sich Steinbrück in Zeiten der globalen Weltfinanzkrise, der Millionenzahlungen an marode Bankunternehmen auch in Deutschland und sogar bei der wachsenden Unzufriedenheit der Deutschen mit der deutschen Bundesregierung alles erlauben.

Alles? Nein, nicht wirklich alles. Denn jenseits der Grenze, dort wo die Alpen beginnen, dort gibt es ein Volk bei dem er sich nicht alles erlauben kann, das ihm ganz gehörig die Meinung sagen würde, falls es ihn überhaupt ins Land lassen würde. So, wie die Dinge momentan stehen, kann sich Steinbrück vielleicht in Deutschland alles erlauben, aber in der Schweiz ist er mittlerweile zur persona non grata geworden und das vollkommen zu Recht. Es wird Zeit, dass dieser Mensch von der politischen Ebene verschwindet.


Alles Gute

Don R. Vigo
Editor-in-Chief

 

Begegnung mit Edda – Osterglocken

Osterglocken

Mit dem weissen Wollkostüm sah ich recht erwachsen aus. Ich war 17 und meine Mutter hatte mich eingekleidet. Jetzt stand sie mit meinen Geschwistern Udo und Anne, Tante Betty, Kusinen Moni und Karin am Frankfurter Hauptbahnhof. Alle winkten mit schimmernden Abschiedstränen und Taschentüchern dem D-Zug nach Oostende hinterher.

Obwohl ich sie alle sehr liebte, war ich froh endlich allein auf Reisen zu sein. Die Eisenbahn ratterte eine süsse Fernwehmelodie über das Gewirr der Weichen. Türme und Hochhäuser lösten sich in Wiesenlandschaften auf. Den Bahndamm entlang tanzten elektrische Überlandleitungen auf und nieder. Ich streckte den Kopf so lange aus dem offenen Schiebefenster bis der Wind mir ein Stückchen Dreck in die Augen wirbelte.

Auf geschäftigen Bahnhöfen öffnete ich die Tür und hörte wie die Bauchladenverkäufer ihre Brezeln und Zeitungen anpriesen. Im Abteil roch es nach Zigarettenrauch und Apfelresten. Ein typischer Eisenbahngeruch, von dem noch heute ein Hauch im ultramodernen ICE zu spüren ist.

Das zweiter Klasseabteil leerte und füllte sich mit Kurzstreckenpassagieren. Andere Reisende, die wie ich mit der Fähre über den Ärmelkanal nach London wollten, legten sich beim Dunkelwerden auf die zum Schlafen aufgeklappten Sitze. Ich kletterte aufs obere Bett, wo man mit der Nasenspitze beinah die gewölbte Decke berührte. Die nächtlichen Beleuchtungen vorbeisausender Stationen flackerten über meine geschlossenen Augenlider, und in langen Kurven schaukelte mein Köper wie Geleepudding in die vorgeschriebene Biegung.

In Oostende boten dutzendweise Gepäckträger dem Fräulein im weissen Kostüm ihre Dienste an. Verlegen schleppte ich meine beiden riesigen Koffer selber durch die Zollkontrolle und stolperte die Gangway rauf aufs Schiff. Nach einer Weile, als erfahrene Passagiere sich bereits in Liegestühlen auf Deck sonnten, erkundigte ich mich schüchtern" Is this chair free?" "Occupied," erwiderten die recht mundfaulen Briten und überforderten damit
mein Schulenglisch.

Inzwischen wurden die Leinen am Kai losgeworfen und die Schiffsschrauben wühlten das Hafenwasser auf. Vorne am Bug spritzte das Fahrwasser, als ein junger Engländer mich zu einem Glas Tee unter Deck einlud. Nett von ihm. Mein Magen nahms freilich übel. Ich verbrachte meine Erstlingsfahrt zu den weissen Klippen von Dover seekrank auf einem Sofa.

Während der anschliessenden Reise mit einer Schmalspurbahn verlor ich eine Tasche und lernte in Londons Victoria Station, dass Left Luggage nichts mit linkshändigen Koffern, sondern mit verlorengegangenem Gepäck und sehr hilfsbereiten Briten zu tun hat.

Bei einer bekannten Verlegerfamilie im exklusiven Londoner Kensington Distrikt verlebte ich ein ganzes Jahr. Das war so herrlich, dass ich mich später mehr nach England als nach Deuschland sehnte. In der Schule lernte ich fleissig Englisch. Die Weihnachts-, Frühlings- und Sommersaison verbrachte ich auf dem Land in Somerset. Ausserhalb des kleinen Dorfes Duddings besass die Familie ein steinaltes langgestrecktes, reetgedecktes Landhaus, umgeben von einem Park und unerhört saftigen, grünen Wiesen wie man sie nur auf den Emerald Isles findet.

Mir gefiel alles, besonders die Mahlzeiten, die die schottische Köchin aufs Schmackhafteste zubereitete. Das Familienoberhaupt, Member of Parliament der Tory Partei, mit rosigglattem, wohlgenährtem Gesicht, hielt ebensoviel auf gutes Essen wie auf Tradition. Daher verleibte ich mir die komplizierten Abstammungsgeschichten verwandter Fürstenhäuser sowie die äusserst schmackhaften Frühstücks-, Elevenses-, Lunch- und High-Tea-Kombinationen ein. Mir war gänzlich unverständlich wieso die englische Küche im schlechten Ruf stand.

Gerne strolchte ich mit Gummistiefeln durch die sanft regenverhangene Landschaft. Der englische Frühling rauschte prachtvoll heran und aus seiner Palette strömten dicht an dicht wild wachsenden Osterglocken und färbten die Wiesen überschwenglich sonnengelb. Ganze Arme voll verteilte ich in grossen Vasen im Haus, pflückte von den stark duftenden weissen Narzissen und bewunderte in Waldhainen lilablühende, baumhohe Rhododendren, die sonst in Ziergärten kaum schulterhöhe erreichen.

Grad als ich dachte, die Welt könnte nicht schöner werden, zog am Karfreitag ein besonders leckerer Duft durch alle Zimmer. In der riesigen Wirtschaftsküche buk die Köchin mehrere Tabletts traditionsreicher Hot Cross Buns und servierte sie glänzend braun und warm auf alten, reichbebilderten Stoneware Tellern.

Man erzählte, dass die Backwaren einst der heidnische Göttin Ostera gewidmet wurden und das eingeritzte Kreuz die vier Mondphasen repräsentierte. Im Jahre 1361 verschenkte ein Mönch ähnliche kreuzverzierte, frischgebackene Buns an die Armen. Denen schrieb man aber bald so viele abergläubische Wunderwirkungen zu, dass ab dem 16. Jahrhundert Hot Cross Buns nurmehr zu Ostern verkauft werden durften.

Inzwischen gibt es das ganze Jahr hindurch dick weiss überzuckerte Versionen in britischen Supermärkten. Ich halte mich lieber an das ursprüngliche Dekret und backe nur zu Frühlingsfeiertagen das herkömmliche Rezept. Jedesmal freue ich mich, dass mit dem Duft der wohlschmeckenden Hot Cross Buns ein wenig englisches Ostern bei uns in Texas Einzug hält.


ZUTATEN für etwa 12 Rosinenbrötchen:

4 Tassen ungebleichtes Mehl
1 Teelöffel Zimt (oder Gewürzmischung)
½ Teelöffel Salz
4 Esslöffel Butter
1 Tasse Rosinen
1 Päckchen Trockenhefe
3 Teelöffel Zucker
1 Tasse warme Milch oder etwas mehr.

ARBEITSWEISE:

Trockenhefe mit etwas Milch und Zucker ansetzen. Danach Mehl, ich nehme gerne Whole Wheat Pastry Flour, je nach Geschmack mit mehr oder weniger Zimt und Salz vermischen. Geschnittene Butterstückchen oder Schmalz mit dem gesamten Mehl verkrümeln und die Rosinen dazugeben.

Jetzt die Hefe sowie den restlichen Zucker und die Milch hineinschütten und alles zu einem weichen, nicht klebrigen, elastischen Teig verkneten. Eine halbe Stunde gehen lassen, wieder etwas kneten. Runde Bällchen formen, aufs gefettete Kuchenblech setzen und mit einem scharfen Messer ein tiefes Kreuz einschneiden.

Die Hot Cross Buns zirka 15 Minuten gehen lassen und im vorgeheizten Ofen bei etwa 375 Grad Fahrenheit goldgelb backen. Sofort danach über die heissen Brötchen ein Stück Butter reiben, damit sie verführerisch glänzen.

 

Wie geht es weiter? Gedanken und Beobachtungen aus der Hauptstadt

Von Ernst Winkler, DC Korrespondent

Washington, DC (awj) - Die Dichte der deutschamerikanischen Kontakte ist ermutigend. Man spricht miteinander.
Wenn die Anzahl der Besuche europaeischer Staatsmaenner, bzw. Frauen und ihrer Politiker ein Anzeichen fuer die anliegenden Probleme zwischen USA und Europa ein Indikator sind, dann kann man nicht unbesorgt bleiben. In den naechsten zwei Wochen werden sich Frau Merkel in Crawford auf der Texas Ranch von Herrn Bush, der tuerkische Ministerpraesident und der franzoesische Ministerpraesident Sarkozy in Washington einfinden. Vorangegangen sind allein sieben Besuche deutscher Minister in den vergangenen sechs Wochen, ein Besuch des Verteidigungsausschusses der Bundesrepublik und eine Vielzahl von Gespraechen auf allen Ebenen mit den Botschaftern der europaeischen Laender. Solch intensiver Austausch deutet darauf hin, dass nicht nur Routineangelegenheiten anstehen, sondern auch einige gravierende Probleme in den Beziehungen zwischen den USA und den Europaern Loesungen fordern. Es mag auch darauf hindeuten, dass wieder ungewoehnliche Aktionen der USA im Mittleren Osten in Vorbereitung sind. So wie seiner Zeit Israels Primeminister Sharon zu mehreren kurz auf einander folgende Besuchen nach USA reiste, und dann die USA den Irak angriffen, so koennte man heute auch wieder fragen: Was will Herr Bush fuer seinen Platz in der Geschichte noch in Bewegung setzen?

Welche Ziele verfolgt die ausgehende Administration Bush-Cheney?
Ohne Zweifel tut sich die ausgehende Bush Regierung schwer mit den durch den Irak Krieg deutlich verschlechterte Lage im Mittleren Osten. Waehrend die Englaender sich geschickt absetzen, bleibt den Amerikanern die Buerde der "erfolgreichen" Beendigung dieses teuren Krieges. Aber gleichzeitig versuchen die USA die Zweistaaten Loesung fuer das Palestina-Israel Problem durch eine Konferenzeinladung nach Annapolis wieder zu forcieren, verhaengen die USA im Alleingang neue Sanktionen gegen ein Iran, das zwar eine Atomindustrie nun mit russischer Unterstuetzung aufbaut, israelische Bombenangriffe auf syrische Industrieanlagen sanktioniert, wobei man vorgibt, diese seien fuer den Bau fuer Nuklearanlagen vorbereitet, und auch eine verstaerkte Einflussnahme auf Pakistan praktiziert, ohne wirklich den in der NATO vereinten und allierten Nationen offen die Ziele und geplanten Strategien dieser Aktionen offen zu avisieren. Die Dichte der deutschamerikanischen Konsultationen macht hellhoerig. Ist die deutsche Regierung tiefer in Bushs Plaene eingeweiht, als es oberflaechlich den Anschein hat?

Welche Ziele und welche Exitstrategien verfolgt die deutsche Regierung bzw. Europa?
In Gespraechen mit den deutschen Repraesentanten faellt immer wieder auf, welche Themen vermieden werden. Ein solches Thema ist die grosszuegige Freiheit, die die PKK in Deutschland geniesst. So ist es beunruhigend, dass das tuerkische Kurdenproblem zwar offen die NATO Treue der Tuerkei provoziert. Aber die NATO ist als Defensivbuendnis fuer alle seine Mitglieder gedacht. Nun aber wird ein Partnerland, die Tuerkei, aus einem von den USA besetzten Nachbarland, Irak, angegegriffen. Wessen Verantwortung ist nun die Verteidigung der tuerkischen Interessen?
Ein weiteres Thema ist die oft pflaumenweiche Haltung gegenueber den oft und offen ausgesprochenen Angriffsvorstellungen der USA gegen Iran. Warum fehlt hier eine klare und unmissverstaendliche Aussage der Europaeer gegen eine "ultima ratio" Loesung , naemlich gegen einen Krieg gegen Iran, der automatisch Russland involvieren muss?
Ebenso bleibt unausgesprochen und undefiniert ,aber deswegen umso gefaehrlicher, die Haltung Deutschlands und Europas in Israels Bestreben, ein Gross-Israel mit ethnischer Saeuberung der inkorporierten Gebiete von Palestinensern durch "facts on the ground" zu schaffen? Warum wird nicht offen darueber gesprochen, dass Israel im Besitz von einsatzfaehigen Atomwaffen sich nicht der internationalen Kontrolle unterwerfen will? Dass nunmehr auch Aegypten eine Nuklearindustrie aufbauen moechte,mit dem Hinweis, dass sein Nachbar Israel sie ja auch habe?
In Deutschland hat man sich zu einer Verlaengerung des Einsatzes im Natorahmen in Afghanistan zumindest im Parlament durchgerungen. Aber in der Meinung des Volkes ist diese Unterstuetzung ebenso wie in anderen Laendern wie Holland und Kanada durchaus nicht so mehrheitlich sicher. Urspruenglich wollte man Al Quaeda und die sie unterstuetzende Talibanherrschaft beseitigen. Wie sind die Kriegsziele, und besonders die exit-Ziele und die exit-Zeiten fuer dieses teure und blutige Engagement definiert?

Wo sind die bisher erzielten Erfolge gegen den Terrorismus?
In den Medien und von den Politkern beiderseits des Antlantik wurde viel von der Bewahrung der und dem Schutz der "Gemeinsamen Werte", von dem "Kampf gegen den Extremismus und Terrorismus" gesprochen. Und oft ziehen sich viele Politiker schwafelnd auf diese Redensarten zurueck, wenn man sie nach klaren Definitionen und Zielen befragt.
Welche Erfolge sind denn nun in den letzten fuenf Jahren wirklich erzielt worden? Haben die besonders in den USA aber auch im bundesdeutschen Haushalt erhoehten Verteidigungsausgaben fuer mehr Panzer, Raketen und anderes Hardware uns Erfolge gegen den Terrorismus gebracht?
Terroristen sind verfangen in einer Geisteshaltung, die der Unseren toedlich und oft diametral engegengesetzt ist. Damit wird der Kampf gegen den Terrorismus ein Ringen um die Koepfe und Herzen dieser Menschen. Oder will man hier Terror mit Gegenterror brechen? Wieder die Frage: Was sind denn wirklich die Ziele und die notwendigen Strategien, zu denen sich in unserer demokratischen Gesellschaft die Menschen bekennen und unterstuetzen muessen?

Sind die USA einzig berufen, die Ziele und Strategien im Kampf gegen Terrorismus zu formulieren?
Ist es nicht die Aufgabe und der Auftrag fuer unsere gewaehlten politischen Vertreter diese Ziele zu definieren, uns, dem Volk, zu erlaeutern und bekanntzumachen? Sind unsere europaeischen Ziele und daraus resultierenden Strategien inhaltlich und zeitlich identisch mit denen unserer Alliierten? Oder ueberlassen wir lieber solche fundamentalen Entscheidungen unseren Alliierten wie den USA? Hannemann geh du voran, du hast die laengsten Hosen an?
In Washington treffen sich die Minister, die deutschen und nicht nur deutschen Vertreter von Verteidigungsausschuessen, von Wirtschafts-, Gesundheits, Umwelt- und Wissenschaftsgremien. Doch welche Ergebnisse bringen diese bilateralen Begegnungen?
Vom 9. bis 11. November wird Frau Merkel auf hoechster Ebene mit Herrn Bush nicht nur im Jeep ueber die Texasranch fahren. Sie muss und wird ueber die drueckenden Probleme von Krieg und Frieden im Nahen Osten, in Afghanistan und Afrika sprechen. Auch viele andere wichtige und brennende Herausforderungen aus Wirtschaft und Finanzwelt werden anstehen. Schnelle Loesungen zu erwarten ist utopisch. Aber sie muss auch den amerikanischen Partner davon ueberzeugen, dass nur auf der Basis der gemeinsamen, und gemeinsam akzeptablen Definition der Ziele und deren Durchsetzung die so oft beschworenen "Gemeinsamen Werte" in der westlichen Welt erhalten, bewahrt und Loesungsansaetze entwickelt werden koennen. Das bedarf sicher der groessten kreativen Anstrengen der Besten und Maechtigen auf beiden Seiten des Atlantik und am Ural.

 





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