Etliche Kolumnisten in den USA und Deutschland schreiben exklusiv für die AMERIKA WOCHE. Hier eine Archivauswahl:

 

Heissgemachti Fleischworscht unn grie Soss
von Daniela Ziegler



Vor rund 150 Jahren suchten Tausende von Tagelöhner, Kleinbauern und arbeitslosen Dorfhandwerkern einen Ausweg aus Hunger und Elend. Ganze Dorfgemeinschaften verließen die wenig ertragreichen Böden des Taunus, des Vogelsbergs, des Westerwaldes und des Odenwalds und wanderten nach Amerika aus. Allein im Großherzogtum Hessen zählte man in den Jahren 1846/1847 mehr als 10000 Auswanderer, die sich auf die abenteuerliche Reise in den Zwischendecks der großen Auswandererschiffe begaben. Mit viel Verzweiflung im Herzen. Und viel Hoffnung.
Damit erzähle ich speziell Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, nichts Neues. Dennoch will ich Ihnen ein altes, hoffnungsfrohes Lied, das Ende des 19. Jahrhunderts entstanden sein dürfte und das ich neulich in einem Liederbuch fand, nicht vorenthalten:
Auf, ihr Brüder, lasst uns wandern fröhlich nach Amerika,
unsre Schwestern sind schon drüben in Philadelphia.
Steht das Schifflein schon gerüstet und der Schiffer ist schon da, dass wir können übersegeln nach Philadelphia
Wem’s gefällt nach seim Verlangen, nehme sich ein schwarzbrauns Mädchen, drück sie fest in seine Arme, bis der Tod sie trennt.
Heut’ zum letzten Mal, ihr Brüder, sehen wir uns noch einmal.
Morgen sehen wir uns wieder in Philadelphia.
Dies alles ist bereits Geschichte. Doch die Geschichte der Armut ist längst noch nicht zu Ende geschrieben. Auch in Deutschland nicht, wo es bis vor kurzem offiziell gar keine Armut gab. Ab und zu hört und liest man nun von armen Leuten, und das klingt dann manchmal recht erstaunt und ungläubig, wie neulich im „Reformhaus-Kurier“, den man nach dem Einkauf geschenkt bekommt:
„Dick durch Armut: Allein erziehende Mütter und Familien mit mehreren Kindern sparen an der Ernährung. Offensichtlich wird aus finanziellen Gründen auf frisches Obst und Gemüse sowie vollwertige Produkte verzichtet. Kinder sind schlechter ernährt und gerade deshalb öfter übergewichtig. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass Kinder aus armen Familien auch häufiger vor dem Fernsehen sitzen und weniger Sport treiben. Vermutung: Es fehlt auch das Geld für Freizeitaktivitäten.“
Ei der Daus. Da sass offenbar ein bemühter Redakteur lange am Schreibtisch und machte sich richtig Gedanken darüber, wie das Leben armer Leute aussehen könnte. Allen Respekt vor so viel Scharfsinn und Einfühlung!

Wir sind stets an der Meinung unserer Leser interessiert.
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