Professor Hegger vor dem praemierten Solarhaus auf der Mall in Washington

Ein "gruenes Haus" aus Darmstadt auf der Mall in Washington

Erster Preis fuer das Solarhaus aus Deutschland

 


news6_medJa, unweit des Weissen Hauses steht seit dem 12. Oktober ein ungewoehnliches Modellhaus. Studenten und Professor Hegger der TU Darmstadt haben es in wenigen Tagen auf der Mall in Washington aufgebaut. An der Dorfstrasse des Solar Decathlon zeigt dieses Prototype Haus, was man heute in Deutschland als umweltgerechtes und energieeffizientes Alles bauen kann. Ein internationales Solar Dorf ist hier zwischen dem Capitol und dem Washington Monument entstanden, und laedt die neugierigen Besucher aus Bauwirtschaft, Politik, Universitaeten und zukuenftige Bauherren ein, sich zu ueberzeugen, dass " gruen'" Bauen, durchaus praktisch ist, Lebensqualitaet erhoeht  und auch kostenguenstig sein kann.


Das US Departmement fuer Energy hat zum 3. Solar Decathlon  eingeladen. Zwanzig Bewerber aus mehreren Laendern und Universitaeten haben sich qualifiziert. Sie haben ihre Modellhaeuschen auf der Solar Dorfstrasse auf der Mall aufgebaut. Sie zeigen , wie Haeuser in der Zukunft Energie effizient, umweltfreundlich und doch praktisch und wohnlich gebaut werden koennten. Beim letzten Dekathlon gewann das Solarhaus der Universitaet von Colorado den Ersten Preis.

 


Eine intelligente und raffinierte Anordnung und Verwendung herkoemmlicher Materialen und Bauelemente schafft energetisch und aesthetisch hochwertiges Musterhaus

 


Das erste Mal ist ein deutsches Modellhaus dabei. Und es gewann dieses Mal den Ersten Preis. Professor Hegger, Architektur Professor der TU Darmstadt hat mit seinen Studenten,  Kollegen anderer Fachrichtungen  und Unterstuetzung aus der deutschen Industrie ein auf modularer Technik basierendes etwa 74 Quadratmeter grosses , aus Wohnelementen zusammenstellbares Haus konzipiert. Mit neu entwickelten Komponenten, herkoemmlichen Materialien und einigen sehr praktischen Ideen hat das Darmstaedter Team Solartechnik, architektonisch geschickt modifizierte Baueelemte aus bekannten und gaengigen Materialen ein interessantes Versuchshaus gebaut.  Es besticht durch seine energieautarke Komposition von Solartechnik und Anordnung von Bauelementen, durch seine sehr funktionelle Auslegung und gleichzeitg durch seine  angenehme Wohnlichkeit.

 


1. Es besteht aus verschiedenen, variierbaren  Wohnzonen.Sie sind um einen Kern angeordnet sind. Abgeguckt von der Schalenanordnung einer Zwiebel, koennen diese Zonen den jeweiligen gewuenschten  Lebensgewohnheiten angepasst werden.  Mit der Jahreszeit, mit der Anzahl der Familienmitglieder  aber auch mit dem Alter der Bewohner, Besucher lassen sie sich  veraendern.


Die Fassade als Trennelement gegen die Einfluesse der Aussenwelt wie Laerm. Wetter und Lichteinstrahlung wird zu einem  anpassbaren Element. Nord und Suedseiten sind unterschiedlich konzipiert. Durch Anbringung ueberdimensionaler, wandgrosser Fensterladen, deren Positionen sowie Faecher verstellbar sind, auf deren ebenfalls einstellbaren Faechern sitzen Solarzellen, die ihren Strom durch die Fuehrungsschienen im Boden  fuer die wandhohen Ladenfluegel an die Batteriezentrale liefern, koennen Licht, Sonneneinstrahlung, Windbeaufschlagung sowie unerwuenschte Einsicht von Aussen dem jeweils gewuenschten Wohlbefinden angepasst werden. Mit der Hand verstellbare, Solarzellen bestueckte  Faecherfluegel bestechen mit ihrer feinmaserigen Eichenholzkostruktion.


Das als "Passives Haus" etikettierte Modell soll jaehrlich nicht mehr als 15 kwh pro Quadratmeter brauchen, waehrend heutiger Neubau in Deutschland mit durchschnittlich 60 kWh pro Quadratmeter verbraucht gegenueber etwa 200 kWh in Altbauten.


Weitreichendes ueberhaengendes Dach, Waende an den Ost- und Westseiten gefuellt mit einem Wachs, das bei Ueberhitzung schmilzt und mit der Schmelzwaereme beim Aufschmelzen Waerme entzieht und beim Abkuehlen, diese Schmelzwaerme wieder abgibt, eine Beregnung der Dachflaeche, auf der das Wasser verdampft und damit die Decken kuehlt, sowie die Anpassung der genannten Faecherlaeden halten die Wohnraeume in angenehmen Temperaturbereichen. Das verbleibende Beregnungswasser wird uebrigens gesammelt und wieder dem Kreislauf zugefuehrt.


Bei extremen Wetterbedingungen  kann eine reversible Waermepumpe eingeschaltet werden. Sie kuehlt bzw. waermt je nach Bedarf. Die  abgebene Waermeenergie wird zur Erwaermung des Brauchwassers und zur Bodenheizung im Badezimmer verwendet.


Solarzellen auf  dem Flachdach und Ueberhaengen liegen vermitteln den mehr aesthetischen Eindruck eines normalen Bungalowhauses ohne die sonst ueblichen Ansichten der Solarpanele.  Auf den Ueberhaengen sind sie aufgelockert in Anordung und durch zentrale Oeffnungen  in den Zellenelementen .Dadurch sind die Ueberhaenge lichter.

 


2. Innenkomfort und Lebensraum auf beschraenktem Raum werden durch raffinierte Konstruktion der erhoehten Fussboeden flexibel und praktisch gestaltet.  Hebt man die Bodenplatten an bestimmten Stellen hoch, schaut man in  eine gemuetliche Sitzkuhle. Hier trifft man sich mit seinen Freunden, mit den Familiemitgliedern und ist fast zawngslaeufig sofort in Gespraeche miteinander verwickelt. Oder man schaut gemeinsam auf den grossen Flachbildschirm , der von einer zentralen Fernsehempfangstation gespeist wird. In der Schlafzone dieselbe Anordnung. Unter den aufzuhebenden Bodenplatten befinden sich die grossen und bequemen Kuschelbetten. Schraenke und Abstellraeume liegen flach unter den erhoehten Fussboeden. Sie werden hervorgerollt. So kann der kleinste Raum ueber den Betten , ueber den Schraenken und ueber der Sitzkuhle voll genutzt werden. Fuer Gymnastik, Tanzen, Kinderspielplatz, Musizieren oder einfach fuer Bewegungsraum benoetigende Aktivitaeten.

 


3. Die Haeuser sollen aus vorfabrizierten Elementen gebaut werden. In Modulartechnik koennen sie zusammengesetzt werden, um den vom Bauherren gewuenschten Raum und Grundriss zu schaffen. Die Module und Komponenten sind so dimensioniert, dass sie auch von normalen LKWs transportiert werden koennen. Materialien sind uberwiegend herrkoemmlich und pflegeleicht. Glass ist vielleicht der markanteste Baustoff, das in seiner Anordnung und chemischen Komposition als passives lichtdurchlaessiges oder daemmendes Element die Erscheinung des Hauses und das aesthetische Empfinden am meisten beeinflusst.

 


Kosten, zukuenftige Bauvorschriften,Lebensdauer der Solarzellen, Subventionen und Wirtschaftlichkeit bleiben offene Fragen


Und was kostet so etwas? - So sicher sind sich  die Studenten nicht. Aber Professor Hegger meint, dass solch ein Musterhaus mit 74 Quadratmetern so fuer ca. 200 000 Euro gebaut werden koennte. Das ist aber, bevor die regularienwuetigen Baubehoerden ihre Auflagen gemacht haben.  Fest steht, dass die Solargeneratoren mehr Elektrizitaet erzeugen, als verbraucht wird. Diese wird hier in Akkus gespeichert, oder kann, wenn vorhanden, an die Netzbetreiber verkauft werden. Bisher sind diese in Deutschland gesetzlich gezwungen, fuer diese Kilowattstunden mehr zu zahlen, als ihre herrkoemmlich  selbst erzeugten Kilowattstunden sie kosten. Ein Zustand, der auf Dauer wirtschaftlich nicht zu vertreten ist. -Doch die Ingenieure und Techniker werden sicher Wege finden, auch diese Kosten noch weiter zu senken. Dieses Haus ist ja auch nur ein Prototyp. Zur Serienfertigung ist es noch ein weiter Weg.

 


Heinrich Boell Stiftung und Deutsche Botschaft werben fuer Deutsches Solarhaus


Die Heinrich Boell Stiftung hat dann auch die Oeffentlichkeit in Washington zu diesem Dekathlon 07 besonders eingeladen. Frau Helga Flores Trejo, die Direktorin der Boell Stiftung in Washington, hat in ihrer Begruessungs- und Eroeffnungsrede auch richtig betont, wie wichtig dieser Beitrag aus Darmstadt fuer die Anpassung des menschlichen Lebens an den globalen Klimawandel ist, und wieviel fossile Energietraeger in der Bauwirtschaft durch erneuerbare Energieelemente ersetzt werden koennen.  Und die Deutsche Botschaft veranstaltete ein Symposium, auf dem Professor Hegger und sein Team keiner noch so kritischen Frage auswichen.


Herzlichen Glueckwunsch dem Team aus Darmstadt , seinen Foerderern und nicht zuletzt seinem spiritus rector Professor Hegger.

 






Ernst Winkler