Wednesday, January 27, 2021   Last Update: 5:50 AM ET
decrease text size increase text size
Suchen:      
(Alle Nachrichten)



» Wollte «Osmanen»-Gang einen Abtrünnigen ermorden?Von Roland Böhm, dpa(Foto – aktuell und Foto – Archiv)



Festung Stammheim: Hunderte Polizisten und zwei Hubschrauber sichern den Gerichtssaal am Stuttgarter Gefängnis. Mutmaßliche Anführer der türkisch-nationalistischen Straßengang «Osmanen Germania» stehen vor Gericht. Ein Anklagepunkt: versuchte Ermordung eines Abtrünnigen.

Um das Gefängnis in Stammheim sind Straßenkontrollen aufgebaut, Hunderte Polizisten sind im Einsatz, Hubschrauber kreisen über dem Justizgebäude. Strikte Kontrollen der gut 120 Zuschauer verzögern den Prozessstart um zwei Stunden. Grüppchenweise werden meist komplett schwarz gekleidete Anhänger der Angeklagten unter Polizeischutz durch den Ort geführt.

Es gebe eine Bedrohungslage, sagte Jan Holzner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Stuttgart, ohne Details nennen zu dürfen. Im Saal wird auf die Verlesung der Adresse des «Osmanen»-Weltpräsidenten verzichtet, aus Sicherheitsgründen. Die acht Angeklagten sitzen in acht verschiedenen Gefängnissen in Untersuchungshaft.

Bis zu seiner Verhaftung im vergangenen Jahr lenkte der 46 Jahre alte «Weltpräsident», ein Deutscher türkischer Abstammung, und sein 38 Jahre alter Vize die «Osmanen» von Südhessen aus. In Deutschland sind den Behörden 33 Ortsgruppen (Chapter) mit rund 400 Mitgliedern bekannt.

Auseinandersetzungen gab es zuletzt vor allem mit türkischen Kurden der verfeindeten Straßengang «Bahoz». Immer wieder kam es im Raum Stuttgart zu gewaltsamen Zusammenstößen um die Vorherrschaft in der Region. «Wir "Osmanen" beherrschen die Straße», beschreibt Staatsanwalt Michael Wahl die Absicht hinter diversen Machtdemonstrationen.

Im Stuttgarter Prozess geht es aber in erster Linie um Strafaktionen gegen eigene Leute, etwa weil sie die «Osmanen» verlassen wollten. Konkret geht es um einen Fall aus Herrenberg nahe Stuttgart. Dort soll ein Teil der Angeklagten - im Wissen der Anführer - ein abtrünniges Mitglied schwer traktiert haben. Auch weil dieser sich weigerte, gegen Kurden vorzugehen, wie es heißt. Ein «Osmanen»-Trupp habe dem Abtrünnigen Zähne ausgeschlagen, in den Oberschenkel geschossen, ihn bis zur Bewusstlosigkeit getreten und ihm dann die Patrone ohne Betäubung aus dem Bein geholt. Der Mann sei drei Tage gefesselt festgehalten worden, bis er fliehen konnte.

Die Liste der Straftaten, die den Männern vorgehalten wird, ist lang: versuchter Mord, versuchter Totschlag, gefährliche Körperverletzung, Zuhälterei, räuberische Erpressung, Freiheitsberaubung, diverse Waffen- und Drogendelikte. In wechselnden Besetzungen sollen sie diese Taten an verschiedenen Orten in Baden-Württemberg begangen haben. Man könne bei Verurteilungen von «mehrjährigen Haftstrafen» für jeden Einzelnen ausgehen, heißt es bei der Staatsanwaltschaft.

Die «Osmanen Germania» stehen nach Einschätzung des Innenministeriums in Nordrhein-Westfalen in Verbindung zur türkischen Regierungspartei AKP und zum Umfeld des Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Dieser Umstand spiele im Stuttgarter Prozess allerdings gar keine Rolle, sagte Holzner, der Sprecher der Staatsanwaltschaft.

Der «Osmanen Germania Boxclub» wurde erst vor wenigen Jahren gegründet. Als Hochburgen der gut 400 Mitglieder gelten die Regionen Frankfurt, Stuttgart und Wuppertal. «Es ist mit Sicherheit nicht der Boxclub, als der er offiziell gegründet wurde. Es ist mit Sicherheit auch keine Wohltätigkeitsorganisation, die Jugendliche von der Straße holt», beschreibt Holzner die «Osmanen». Sie seien als rockerähnliche Gruppierung einzustufen, mit einer strengen Hierarchie, in der man sich durch Straftaten nach oben arbeite.

13:04 26-03-2018
Share




 
 
 
 
 
sb btm

Anzeigen

1
 
2
 
3