Wednesday, November 22, 2017   Last Update: 7:06 PM EST
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Spanische Terror-Ermittler uneins – Keine Spur vom Täter


Unstimmigkeiten bei den Ermittlungen in Spanien: Laut Regierung ist die Terrorzelle zerschlagen. In Katalonien sieht man das anders. Der Hauptverdächtige war am Samstag möglicherweise noch auf der Flucht.

Bei dem Anschlag auf der Flaniermeile Las Ramblas waren am Donnerstag mindestens 13 Menschen getötet worden. Wenige Stunden später starb zudem eine Frau nach einem vereitelten Angriff in der südlich gelegenen Küstenstadt Cambrils. Sie wurde von Verdächtigen auf der Flucht überfahren.

Zwei Tage nach den Terrorattacken waren noch 54 Verletzte im Krankenhaus, teilten die katalanischen Notfalldienste mit. Zwölf Patienten seien in kritischem Zustand, 25 weitere schwer verletzt. Unter ihnen sind auch viele Ausländer. Nach Angaben des Auswärtigen Amts wurden 13 Deutsche verletzt, zwei Frauen lebensgefährlich. Eine von ihnen ist in einem extrem kritischen Zustand. Andere Verletzte haben das Krankenhaus bereits verlassen. Für Sonntag ist ein Trauergottesdienst in der Basilika Sagrada Familia geplant.

Die Aufmerksamkeit der Polizei richtete sich nach Medienberichten vor allem auf einen flüchtigen Marokkaner. Der 22-Jährige sei der Bruder eines der getöteten Verdächtigen von Cambrils. Er komme aus der Kleinstadt Ripoll rund 100 Kilometer nördlich von Barcelona. Die Polizei durchsuchte dort auch am Samstag auch das Haus eines Imams, wie der der katalanische Innenminister Joaquim Forn bestätigte. Nach spanischen Medienberichten könnte er Teil der Terrorzelle gewesen sein.

Die Ermittler gingen davon aus, dass die Attacken in Barcelona und Cambrils von einem Netzwerk von insgesamt zwölf Verdächtigen verübt wurden. Fünf von ihnen wurden in Cambrils erschossen, insgesamt vier wurden festgenommen, drei identifiziert, so die katalanische Polizei. Ein oder möglicherweise zwei Verdächtige könnten am Mittwoch bei einer Explosion in dem Wohnhaus in Alcanar südlich von Tarragona umgekommen sein. Bei einem Toten könnte es sich nach Medienberichten um den Imam aus Ripoll handeln. Die Beamten vermuteten, dass die Gruppe dort Sprengstoff lagerte und ein noch größeres Attentat als das in Barcelona vorbereitete.

Die Madrider Regierung kündigte an, die Sicherheitsvorkehrungen würden ab sofort verschärft. Eine Anhebung der Terrorwarnstufe lehnte sie aber ab. In Spanien gilt seit zwei Jahren die zweithöchste Warnstufe 4. Sie bedeutet, dass ein «erhebliches Risiko eines terroristischen Anschlags» besteht.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte die Angriffe in Spanien für sich. Mehrere Glaubenskämpfer hätten sie ausgeführt und «Kreuzfahrer» ins Visier genommen, teilte der IS in einer Erklärung am Samstag im Internet mit. Mit «Kreuzfahrern» meint die Terrormiliz das US-geführte Bündnis, das die Extremisten im Irak und in Syrien bekämpft. Die Echtheit der Erklärung ließ sich zunächst nicht verifizieren. Sie wurde aber über die üblichen Kanäle des IS im Internet verbreitet.

Bei der Fahndung nach dem mutmaßlichen Haupttäter, der mit dem Lieferwagen die Passanten gerast war, hatte die Polizei sich zunächst auf den 17 Jahre alten Moussa Oukabir konzentriert. Diese Hypothese habe an Gewicht verloren, sagte der katalanische Polizeichef Josep Lluís Trapero. Der 17-Jährige war nach Angaben der Polizei zusammen mit vier anderen Verdächtigen in Cambrils erschossen worden. Nun gelte der 22-jährige Younes Abouyaaquoub als Hauptverdächtiger, berichtete «El Pais» unter Berufung auf die Polizei.

Die Polizei ging Berichten zufolge auch möglichen Zusammenhängen mit dem Tod eines 34-Jährigen nach. Er war kurz nach dem Anschlag am Stadtrand von Barcelona tot in seinem Auto gefunden worden. Die Ermittler vermuten, dass der Mann erstochen wurde und man ihm das Auto rauben wollte. Die Polizei ermittele nun, ob es sich bei dem Täter um einen flüchtigen Terroristen handeln könnte.

Bundesaußenminister Sigmar Gabriel (SPD) legte am Samstag Blumen am Ort des Geschehens in Barcelona nieder. Am Vortag hatte er ein Krankenhaus besucht und mit einer jungen Deutschen gesprochen, die bei dem Anschlag verletzt worden war, sowie mit Angehörigen.

Der Terror in Spanien entfachte in Deutschland erneut die Debatte um die Sicherung von Großstädten vor Attacken mit Fahrzeugen. Der Deutsche Städtetag unterstützte die Forderung von Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU), Innenstädte durch bauliche Maßnahmen wie Poller besser zu schützen. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnte in der «Heilbronner Stimme» (Samstag) davor, Städte zu «Festungen» auszubauen.

18:03 19-08-2017




 
 
 
 
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