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Schwitzen für den Waschbrettbauch – Wie Yoga in Kenia Jobs schafft


In Kenia ist die Arbeitslosigkeit besonders bei jungen Menschen hoch. Eine Ausbildung zum Yogalehrer bietet einigen Kenianern aus armen Gegenden eine Zukunft. Ganz nebenbei finden Teilnehmer und Lehrer über Yoga hinaus zusammen.

Das indische Yoga ist längst angekommen im ostafrikanischen Kenia, berühmt für seine Langstreckenläufer, die bei sportlichen Wettkämpfen regelmäßig andere Nationen hinter sich lassen. Heute boomen Wellness und Sporttreiben in den Städten. Und es findet sich kaum noch ein Fitnessstudio, das kein Yoga anbietet.

Das Yogatraining in Kangemi jedoch wird von einer Organisation veranstaltet, die nicht nur Fitness, Ausgleich und Entspannung anbietet, sondern mithelfen will, ein gesellschaftliches Problem zu lösen: Jugendarbeitslosigkeit.

Kenia hat zwar eine schnell wachsende Wirtschaft und eine boomende Mittelschicht. Dennoch sind viele junge Menschen arbeitslos - wie viele genau ist unklar. Die Weltbank etwa spricht von 22 Prozent der 15- bis 24-Jährigen; der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zufolge sind sogar 67 Prozent der 15- bis 34-Jährigen ohne Job.

«Das Africa Yoga Project hat seit 2007 mehr als 300 Yogalehrer aus 15 afrikanischen Ländern ausgebildet», sagt Sprecherin Laura Schutter in Nairobi. «Dabei richten wir uns vor allem an junge Leute aus ärmeren Gegenden.» Die angehenden Yogalehrer erhalten ein Stipendium für ihre Ausbildung, sie zahlen also nichts.

George Thande aus Kangemi ist einer von ihnen. Bevor er vor sechs Jahren Yoga für sich entdeckte, reparierte er Telefone und spielte professionell Fußball. Freunde hatten ihm von Yoga erzählt - und er beschloss, es auszuprobieren. Inzwischen verdient der 32-Jährige sein Geld fast ausschließlich mit Yogaunterricht, durch das Africa Yoga Project (AYP) sowie privat. Für eine Stunde verlangt er zwischen 6 und 16 Euro pro Person, abhängig von der Größe der Klasse.

Neben den drei bis vier bezahlten Stunden wöchentlich muss George Thande wie jeder Stipendiat fünf Mal pro Woche in armen Gegenden unterrichten, in Mehrzweckgebäuden wie der Pfingstkirche in Kangemi, in Grundschulen, in Gefängnissen. Dies ist eine gemeinnützige Initiative des Africa Yoga Project, die für Teilnehmer kostenlos ist und für die die Lehrer eine Aufwandsentschädigung erhalten.

Nach Angaben der Organisation praktizieren so wöchentlich bis zu 6000 Menschen, die sonst keinen Zugang zu Yoga hätten, in mehr als 300 Klassen in Afrika - von Südafrika und Namibia bis nach Kenia, Somalia und Mali.

Das spirituelle Element im Yoga war für die eher abergläubischen Kenianer anfangs ein Problem, räumt George Thande ein. «Es war nicht so einfach zu erklären, dass es nicht um Teufelsverehrung geht. Beim Power-Yoga, das wir hier praktizieren, steht aber die Fitness im Vordergrund.» So wird Yoga für eine breite Masse zugänglicher.

Für Thande ist Yoga mehr als eine Einkommensquelle. «Ich war kein guter Mensch, vorher. Yoga hat meine Lebensperspektive verändert», gibt er zu. «Ich wollte das schnelle Geld, aber mich nicht dafür anstrengen. Yoga lehrt uns, Ziele zu setzen, wie wir sie erreichen und wie wir mit schwierigen Situationen umgehen.» Heute sei er viel geduldiger.

Diese persönliche Weiterentwicklung ist eine wichtige Komponente der Ausbildung zum Yogalehrer beim Africa Yoga Project. Auch werden Kenntnisse des Unternehmertums vermittelt: wie man einen Computer bedient, einen Geschäftsplan erstellt, erfolgreich Marketing macht oder ein Team an Mitarbeitern führt.

Catherine Njeri, die beim AYP die Kursleiter koordiniert, hat durch das Yoga auch eine positive persönliche Entwicklung gemacht. «Am Anfang habe ich Yoga nicht ernst genommen», erzählt sie. «Wir haben in der Klasse herumgehampelt, bis die Lehrerin fragte: "Worauf wartet ihr eigentlich? Euer Leben passiert jetzt." Das hat bei mir den Schalter umgelegt.»

Am Ende von George Thandes Unterricht sitzen alle im Kreis und sagen Danke: für den Unterricht, für ihre Gesundheit, für das Geschenk des Lebens. Das gehöre eigentlich nicht zum Yogaunterricht, sei nicht einmal Teil ihrer Kultur, erklärt Njeri. «Viele Teilnehmer sitzen nach dem Unterricht noch zusammen und teilen ihre Probleme miteinander. Das schafft eine Gemeinschaft jenseits von Politik und der eigenen Ethnie.»

05:10 15-11-2017




 
 
 
 
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