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Reue oder Krokodilstränen? – Hochstapler Vossen vor Gericht geknickt


Jahrelang surfte der Industriellenspross Felix Vossen international auf der Jetset-Welle. Millionen lockte er den Reichen mit Versprechen von Traumrenditen aus der Tasche. Das Geld ist weg, Vossen reumütig vor Gericht. Ein Geprellter hält das für eine neue Täuschung.

Der Immobilienmakler Russell Hicks war zum Prozess eigens nach Zürich gekommen. Er hatte umgerechnet mehr als vier Millionen Euro bei Vossen investiert. Er bekam kleine Beträge zurück, beziffert seinen Schaden aber als immens. Er beschrieb Vossen, der in London lebte, als höchst sympathisch, einen guten Freund, dem man vertraute.

Jetzt hat er nur noch Verachtung für ihn übrig. «Felix ist ein durchtriebener Gauner. Fallen Sie nicht auf seine Krokodilstränen herein», sagte er dem Richter.

Vossen habe einige Leute in den Ruin gestürzt. Eine Rentnerin habe sämtliche Ersparnisse verloren und lebe in Armut. Einer habe mit dem Gewinn aus der Investition seine an Demenz erkrankte Mutter pflegen wollen. Die Gruppe der Geschädigten werde Schweizer Banken, Anwälte und die Finanzaufsicht wegen Fahrlässigkeit verklagen, weil sie Vossen nicht auf die Schliche gekommen seien. Hicks hatte sich damals nach eigenen Angaben in Zürich und St. Moritz bei Vossens Bankern erkundigt. Sie hätten die Hand für ihn ins Feuer gelegt.

Vossen ist Enkel des Textilunternehmers Burghardt Vossen. Er betrog zunächst seine Eltern um mehrere Millionen. Sie brachen den Kontakt zu ihm ab. Er habe in den 90er Jahren in London auf eigene Faust erfolgreich investiert, sagte er. Ein Geschäft als Filmproduzent habe er vor allem als Hobby gemacht.

Freunde hätten ihm Geld anvertraut. «Meine Vorhaben erschienen mir immer als realistisch», sagte er. Und: «Ich habe mich vollkommen überschätzt.» Er zahlte schließlich vermeintliche Renditen mit den Einlagen neuer Investoren. Am Ende kaufte er verzweifelt Lottoscheine in der Hoffnung auf einen Hauptgewinn.

Vossen versagte die Stimme, er fingerte am Polohemd, er verschränkte die Arme, wischte Tränen ab. Nichts scheint mehr geblieben von dem einstigen weltläufigen Lebemann mit der Eleganz eines erfolgreichen Geschäftsmanns, wie Opfer Hicks ihn beschrieb. Auf «abgebrühte Art» habe er die Opfer ausgenommen, sagte der Staatsanwalt, auch schon, als kaum noch etwas zu retten gewesen sei.

Verteidiger Reto Steinmann beschrieb die Scheinwelt, in der sich Vossen gewähnt habe. Drogen wie Kokain sollen eine Rolle gespielt haben. Sein Mandant wolle nun Wiedergutmachung leisten. Mit Spenden und Sponsoren, die einen Entschädigungstopf finanzieren sollen. Wie das gehen soll, da war auch der Anwalt ratlos. Vossen wurde in Handschellen abgeführt.

16:38 22-11-2017




 
 
 
 
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