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Michael Preetz: Wir müssen die Kinder für Hertha begeisternInterview: Jens Mende und Florian Lütticke, dpa


Die vergangenen zwei Jahrzehnte der 125-jährigen Hertha-Historie hat Michael Preetz entscheidend mitgeprägt. Für den Manager und Rekordschützen des Berliner Clubs ist es am wichtigsten, einen Spagat zu meistern: Die Tradition bewahren, aber auch Neues mutig angehen.

Frage: Wann sind Sie das erste Mal mit Hertha BSC konfrontiert worden?

Antwort: Es hatte schon in der Zeit von Günter Sebert ein, zwei Annäherungsversuche gegeben. Das war zu meiner Duisburger Zeit. Später hat es dann geklappt. Zu Berlin hatte ich immer eine positive Meinung.

Frage: Heute ist der Rekordtorschütze der Manager und Rekordspieler Pal Dardai der Trainer. Hilft das den Verein, 125 Jahre nach seiner Gründung ein konkurrenzfähiger Erstligist zu bleiben?

Antwort: Im Rückblick wird es später ein Kapitel sein in der Historie des Vereins. Aber im Moment passt es. Für die Akzeptanz in Berlin und im Umfeld spielt es natürlich eine Rolle, ob man mal erfolgreich das blau-weiße Trikot getragen hat. Das trifft auf uns beide zu. Die Bundesliga, die wirtschaftlichen Voraussetzungen verändern sich derzeit dramatisch. Und wir sind mitten drin im Ringen um Stabilität. Die zwei Jahre mit Pal haben uns in jedem Fall sehr gut getan.

Frage: Was ist Tradition überhaupt noch wert im modernen Profifußball? Wo hilft sie und wo hindert sie?

Antwort: Wir sind ein traditionsreicher Verein. Das lässt sich schon daraus ableiten, dass wir 125 Jahre alt werden, dass wir einer der ältesten Fußballclubs in Deutschland sind. Dass der Verein eine bewegte Zeit hatte in einer hochspannenden Stadt, das macht es nochmal besonders. Es ist heute die Aufgabe von uns allen, die die Geschicke des Vereins lenken, dass wir das Traditionelle bewahren und das Neue angehen in einer Stadt, die wie keine zweite so für einen Veränderungsprozess steht.

Frage: Was steht dabei im Vordergrund?

Antwort: Wir sind uns der langen und bewegten Geschichte des Vereins bewusst. Dazu gehören auch dunkle Kapitel wie die Zeit des Dritten Reiches, glorreiche Kapitel wie der Gewinn der beiden Meisterschaften, schwierige Zeiten wie die 80-er Jahre. Es gibt heute viele Menschen in der Stadt, die Anteil an unserem Club nehmen. Es ist eine Verpflichtung, sorgsam mit dem Gut Tradition umzugehen. Allerdings sehen wir auch eine Verpflichtung, uns den heutigen Veränderungen zu stellen, neue Wege zu gehen, neue Prozesse anzuschieben. Wir wollen Menschen überzeugen, dass Veränderungen gut und wichtig sind. Das ist nicht immer einfach, weil Veränderung immer auch zunächst einmal unangenehm und ungewohnt sein kann.

Frage: Heute hat Berlin mehr als 3,5 Millionen Einwohner. Trotzdem bleibt das Stammpublikum bei rund 40 000. Was macht die Daueraufgabe in Berlin so schwer, mehr Menschen für Hertha zu begeistern?

Antwort: Das Gefühl für den Club ist nicht so ausgeprägt wie an anderen Standorten, wo sich teilweise die Stadt vor allem auch über den Club definiert. Das hat viel zu tun mit Vergangenheit und Erfolgen. Überall dort, wo es viele Erfolge gab, ist die Identifikation einfach größer. Es hat aber auch mit der Größe der Stadt zu tun, mit dem riesigen Angebot in Berlin. Für uns ist es die Herausforderung, das alles zusammenzuführen. Das ist uns noch nicht optimal gelungen.

Frage: Muss sich Hertha also abfinden mit den 40 000?

Antwort: 40 000 Fans als Hertha-Stammpublikum ist ja erstmal eine sehr ordentliche Zahl. Wir hatten zudem gerade in schwierigen Zeiten einen hohen Solidarisierungseffekt. Allerdings tun wir uns jetzt aber auch schwerer in Zeiten, in denen sich der sportliche Erfolg wieder eingestellt hat, mehr Menschen für den Verein zu begeistern. Jedes Jahr kommen rund 40 000 Menschen neu in die Stadt. Mit ihrem Heimatverein im Herzen. Aus ihnen Hertha-Fans zu machen, wird sicher schwierig, aber vor allem ihre Kinder müssen wir für Hertha begeistern. Das ist ein relativ langwieriger Prozess, eine wahnsinnig große Aufgabe, die einen langen Atem braucht.

ZUR PERSON: Der gebürtige Düsseldorfer Michael Preetz (49) kam 1996 als Stürmer zu Hertha. Mit 84 Bundesliga-Toren überflügelte er die Hertha-Legende Erich Beer. Als einziger Herthaner holte er 1999 mit 23 Treffern die Bundesliga-Torjägerkanone. 2003 wechselte Preetz ins Management. Von 2009 an arbeitet er als Geschäftsführer Sport.

10:02 21-07-2017




 
 
 
 
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