Wednesday, October 17, 2018   Last Update: 1:15 AM EST
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Melancholisch und charmant: «Die Melodie meines Lebens»


Alain bekommt einen Plattenvertrag für seine Band «Hologrammes» - nur leider drei Jahrzehnte zu spät. Damit beginnt für ihn eine aufregende Reise in die Vergangenheit zu den verschwundenen Bandmitgliedern

Die Bücher des französischen Meisters romantischer Komödien sind seit einiger Zeit auch bei uns sehr beliebt: «Liebe mit zwei Unbekannten» und «Der Hut des Präsidenten» wurden auf Anhieb Bestseller. Laurains Spezialität sind Humor, vor allem eine spezielle Situationskomik, ein raffinierter Aufbau mit diversen Überraschungsmomenten und liebevoll entwickelte Charaktere. Einiges davon findet sich auch wieder in dem neuen Roman, doch ist er eindeutig breiter angelegt, versucht er doch auch, eine Art Gesellschaftspanorama zu entwickeln.

Im Mittelpunkt steht der Arzt Alain. Eines Tages bekommt er einen merkwürdigen Brief. Alain glaubt seinen Augen nicht zu trauen, denn das Schreiben ist 33 Jahre alt! Darin bietet die Plattenfirma Polydor der Musikgruppe «Hologrammes» einen Plattenvertrag an. Dumm gelaufen, denn die New Wave-Band, in der Alain einst Gitarrist war, hatte von ihrem Glück nie etwas erfahren und sich wegen Erfolglosigkeit aufgelöst.

Alain gerät ins Träumen. Was wäre gewesen, wenn sie das Schreiben damals erreicht hätte, wären sie berühmt und reich geworden? Elektrisiert macht er sich auf die Suche nach der damaligen Aufnahme und den anderen Bandmitgliedern. Und das findet er vor: Einen arroganten und verbitterten Künstler, einen melancholischen, an der Moderne verzweifelnden Antiquar, einen Thailand-Auswanderer und einen rechtsradikalen Parteiführer. Und schließlich ist da noch Bérangère, die Sängerin, in die Alain damals verliebt war, die sich dann aber leider für den schillernden JBM entschied. Dieser ist inzwischen zu einem Internet-Guru aufgestiegen und bewirbt sich sogar um das Präsidentenamt.

Die Begegnungen mit den ehemaligen Bandmitgliedern sind ernüchternd, wenn nicht gar verstörend. Einige kann Alain schon äußerlich kaum noch wiedererkennen, andere haben sich in ihrer Persönlichkeit so bizarr entwickelt, dass es kaum vorstellbar scheint, dass sie in ihrer Jugend zusammen in einer Band spielten.

Laurain versucht sich hier in einer Art Gesellschaftsporträt. Das ist aber nur zum Teil gelungen. Denn die meisten Figuren sind stark überzogen. Das gilt ganz besonders für Sébastien Vaugan, der zu einer mussolinihaften Karikatur der militanten, nationalen Rechten geraten ist.

JBM wiederum erscheint als eine Mischung zwischen Steve Jobs und Emanuel Macron. Wer wollte in dem brillanten Außenseiter, der an den alten Parteieliten vorbei ganz unkonventionell und dank seines Charismas zum Präsidentenkandidaten aufsteigt, nicht Parallelen zum derzeitigen Präsidenten sehen? Doch auch diese Figur wirkt eher wie ein Abziehbild.

Überzeugender ist der melancholische, in die Vergangenheit verliebte Antiquar Pierre, der so tragisch an den Herausforderungen der Gegenwart scheitert. Die nicht ganz stimmige, schematische Figurenzeichnung ist also ein Manko dieses Romans. Trotzdem kann man ihn wegen vieler gelungener humorvoller Passagen und der geschickt gesetzten Überraschungsmomente mit Gewinn lesen. Zur Belohnung wartet eine gewagte Auflösung.

01:46 02-01-2018




 
 
 
 
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