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Lohnendes Weltraumgeschäft: Der rasante Aufstieg der Firma OHB


Von einem Betrieb mit fünf Beschäftigten zu einem der bedeutendsten europäischen Raumfahrtunternehmen - die Bremer Firma OHB hat genau das geschafft. Den Grundstein legte eine Frau, die eine neue berufliche Herausforderung suchte.

Von der Nützlichkeit der Raumfahrt ist auch die Bundesregierung überzeugt. «Unser tägliches Leben ist ohne die Raumfahrt kaum vorstellbar», schreibt sie auf ihrer Internetseite zum Thema Raumfahrt. «Beim Wetterbericht sind die Satellitenaufnahmen für uns heute so selbstverständlich, dass wir nicht mehr darüber nachdenken.» Das Familienunternehmen OHB hat von dieser Bewertung profitiert - bei vielen Aufträgen zahlt der Bund einen großen Beitrag.

Die Entwicklung von OHB ist erstaunlich. Sie begann 1981 als der heutige Chef Marco Fuchs und seine Schwester das Elternhaus verlassen hatten und ihre Mutter Christa Fuchs eine neue berufliche Herausforderung suchte. Zufällig hörte die gelernte Kauffrau davon, dass die Inhaber des 1958 gegründeten Hydraulik-Betriebs OHB einen Nachfolger suchten. Die Bremer Firma hatte fünf Mitarbeiter und baute elektrische und hydraulische Schiffssysteme für die Bundeswehr.

Christa Fuchs stieg zunächst als Teilhaberin ein und übernahm kurze Zeit später die unternehmerische Führung. 1985 kam ihr Mann Manfred Fuchs (1938-2014) dazu, der bis dahin als Manager in der Raumfahrtbranche gearbeitet hatte. «Er sah Nischen, die er mit einer kleineren und flexibleren Firma besetzen konnte», heißt es in einem Artikel der OHB-Mitarbeiterzeitung.

Der Plan ging auf: «OHB ist es innerhalb der letzten vier Jahrzehnte gelungen, sich als eines der führenden Unternehmen in der europäischen Raumfahrt durchzusetzen und damit auch gegen deutlich größere Unternehmen wirtschaftlich zu behaupten», teilt ein Sprecher des Bundesverteidigungsministeriums mit. Er nennt OHB einen «verlässlichen Partner der Bundeswehr».

Inzwischen beschäftigt der Konzern rund 2300 Mitarbeiter. An der Börse ist OHB seit 2001. Rund 70 Prozent der Aktien sind im Familienbesitz, größter Anteilseigner ist Marco Fuchs.

«Das ist eine Bremer Erfolgsstory», sagt der Geschäftsführer der IG Metall Bremen, Volker Stahmann. Es sei bemerkenswert, wie stark die Mitarbeiterzahl gewachsen ist. «Es ist eine Multikulti-Belegschaft, die ich als äußerst erfrischend empfinde.» Kritisch sieht der Gewerkschafter, dass OHB keinen Tarifvertrag hat. «Es gibt seit langem Tarifdiskussionen», berichtet er. Bislang gebe es in der Belegschaft aber keine große Bewegung, die sich dafür einsetze.

Zu den wichtigsten OHB-Projekten gehören das radargestützte Aufklärungssystem SAR-Lupe und das Nachfolgesystem SARah für die Bundesrepublik Deutschland, die 22 Galileo-Satelliten und die Satellitenplattform SmallGEO. «Damit sind wir jetzt in der großen Klasse», sagt Fuchs, der als Anwalt in New York und Frankfurt arbeitete, bevor er 1995 ins Unternehmen seiner Eltern wechselte. «Der SmallGEO als Dreitonnenklasse ist die Königsdisziplin im Satellitenbau. Wenn Sie geostationäre Satelliten gut bauen können, beherrschen Sie die ganze Produktpalette.»

Der erste Satellit der neuen SmallGEO-Baureihe flog Ende Januar ins All - er wurde unter Federführung von OHB im Rahmen eines Programms der Europäischen Weltraumorganisation ESA entwickelt. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) nannte den Start einen wichtigen Meilenstein. «Mit SmallGEO erreichen wir eine neue Systemfähigkeit in Deutschland», sagte Gerd Gruppe, Vorstand des DLR Raumfahrtmanagements damals. Nach rund 25 Jahren sei Deutschland wieder in der Lage ganze Kommunikationssatelliten zu bauen.

Für OHB sind Satelliten ein gutes Geschäft. 2015 lag der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) bei 40,2 Millionen Euro. Die neuen Zahlen sollen am Dienstag bekannt gegeben werden. Für Marco Fuchs sind die Zahlen nicht das Wichtigste. Seine Ambitionen sind größer. «Wir wollen eine Firma sein, die relevant ist», sagt er. «Wenn es weiter geht Richtung Mond und Mars wollen wir vorne mit dabei sein.»

04:03 21-03-2017




 
 
 
 
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