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«Leipziger Buchmesse muss nicht jedes Jahr ein Gastland haben»Interview: André Jahnke, dpa


Die Leipziger Buchmesse wächst jedes Jahr. Die Mischung aus gehobener Literatur, Mainstream, Manga und Comics kommt bei allen Altersgruppen an. Die Messe will in den kommenden Jahren aber auch Neues ausprobieren.

Frage: Im kommenden Jahr präsentiert sich Tschechien auf der Leipziger Buchmesse, 2021 ist Portugal Gastland. Wer ist es 2020?

Antwort: Die Leipziger Buchmesse wird nicht jedes Jahr ein Gastland haben. Wenn die politische Buchmesse weiter besteht, kann ich mir auch vorstellen, mal ein Jahr kein Land, sondern ein politisches Thema in den Vordergrund zu stellen. Das halten wir uns für 2020 offen. Es soll unser Vorteil bleiben, dass wir auch auf aktuelle Entwicklungen schnell reagieren können. Momentan sind wir auch mit Österreich in Verhandlungen.

Frage: Leipzig ist für seinen Blick nach Südosteuropa bekannt. Ändert sich das in Zukunft?

Antwort: Leipzig behält auch in der Zukunft seinen generellen Fokus auf Mittel-und Osteuropa und auch Südosteuropa. Aber die Buchmesse ist in den vergangenen Jahren deutlich attraktiver geworden für europäische Länder. Hier können sie ihre Literatur auf dem deutschen Buchmarkt präsentieren. Jetzt sind alle wichtigen Verlage hier, die Medien berichten, und wir haben einen starken Publikumsfokus. Aber Länder außerhalb von Europa suchen wir im Moment nicht.

Frage: Auffällig ist die große Anzahl an jugendlichen Besuchern. Woran liegt das?

Antwort: Erstmal hat die Messe einen sehr hohen Unterhaltungswert. Wir haben sehr viele junge Autoren, Youtuber, Poetry-Slammer und Blogger. Die Jugendlichen finden Angebote, die sie wirklich interessieren. Jugend ist neugierig und lässt sich mit spannenden Themen fangen. Wir machen aber auch spannende Angebote, um Jugendliche auf die Messe zu holen und ihnen einen Zugang zur Literatur zu ermöglichen.

Frage: Der Auftritt rechter Verlage auf der Buchmesse hat für viel Wirbel und Unmut gesorgt. Bedauern Sie Ihre Entscheidung, rechte Verlage zuzulassen?

Antwort: Ein klares Nein, weil die Gesellschaft politisiert ist, was ich erstmal gut finde. Debatten müssen geführt werden. In einer Welt von «Fake-News» und Twitter-Nachrichten ist es wichtig, auch vertiefend über Dinge zu sprechen. Vielleicht ist da einiges auf der Strecke geblieben in der Vergangenheit. Wenn die Messe solche Debatten mit befördern oder fokussieren kann, dann ist das gut. Dass da auch Meinungen an die Oberfläche gespült werden, die man selber für falsch oder unerträglich hält, ist die anstrengende Seite.

Frage: Die Zahl der prominenten Autoren steigt jedes Jahr in Leipzig ist aber dennoch gering im Vergleich zu anderen Messe oder Festivals. Warum?

Antwort: Im Gegensatz zu Literaturfestivals, die sich durch Sponsoren oder Publikum Geld organisieren und dann Autoren einkaufen, bieten wir den Verlagen und Ländern eine Plattform und überlassen ihnen die Entscheidung, was sie hier tun wollen. Wenn sie junge Autoren fördern wollen, dann ist das uns genauso lieb wie wenn sie ihre Promis hierzu bringen. Für die Länder ist es aber viel, viel wichtiger, neue und jüngere Autoren hier bekannt zu machen. Wir haben viele heute prominente Autoren hier zu einer Zeit gehabt, wo sie noch nicht bekannt waren. Für die Eigenwerbung der Messe ist es natürlich schön, wenn auch Promis hierher kommen. Aber das war nicht unser Ziel.

ZUR PERSON: Oliver Zille (56) betreut seit 1991 die Leipziger Buchmesse. Nach dem Mauerfall kümmerte sich der Ökonom um die Neuausrichtung der Bücherschau. Seit 2004 ist er Mitglied der Geschäftsleitung der Leipziger Messe GmbH und Direktor der Leipziger Buchmesse.

11:04 17-03-2018




 
 
 
 
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