Saturday, October 20, 2018   Last Update: 8:41 AM EST
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Seit 125 Jahren hat Mitteleuropa seine eigene Zeit


Vor 125 Jahren führte Deutschland die Mitteleuropäische Zeit ein. Davor tickten Uhren überall anders. Das hatte Nachteile, die gefährlich sein konnten. Am Wochenende werden wieder Uhren umgestellt - wenn auch aus anderen Gründen.

«Früher hatte jeder Ort seine eigene Zeit», sagt Johannes Graf vom Deutschen Uhrenmuseum. Die Einrichtung in Furtwangen im Schwarzwald hat die Geschichte der MEZ zum 125-jährigen Bestehen in Deutschland wissenschaftlich aufgearbeitet. «Diese Ortszeit richtete sich nach dem Sonnenstand auf der jeweiligen geografischen Länge.» Ein Problem sei dies lange nicht gewesen. Doch mit dem Siegeszug der Eisenbahn Anfang des 19. Jahrhunderts änderte sich das.

«Das vergleichsweise schnelle Verkehrsmittel Eisenbahn passte nicht zu der Vielzahl der örtlichen Zeiten», sagt Graf. So wurden für Züge Einheitszeiten festgelegt, die entlang der Bahnlinien galten und sich meist an der jeweiligen Zeit in den Hauptstädten orientierten. An den Orten, durch die Züge fuhren, zeigten die Uhren meist jedoch eine andere Zeit.

Das sorgte für Verwirrung - mit verheerenden Folgen: Am 12. August 1853 zeigte die Taschenuhr eines Lokführers die falsche Zeit an, der Mann steuerte die Dampflokomotive mit den Waggons auf ein Gleis. Deshalb stießen in Virginia Falls (USA) zwei Züge zusammen, 13 Menschen starben. Das Unglück löste eine Debatte aus.

Die Antwort waren Einheitszeiten, die sich an den nationalen Grenzen orientierten. «Doch besonders im kleinräumigen Europa war dieser erste Schritt zur Vereinheitlichung der Zeiten unbefriedigend», sagt Graf. An Grenzbahnhöfen sorgten sie für Chaos. Am Bodensee etwa mit seinen damals fünf Anrainerstaaten galten so in einem einzigen Bahnhof fünf unterschiedliche Zeiten.

Orientierung versprach ein System aus 24 weltweiten Zeitzonen, das den Staaten 1884 auf einer Konferenz in Washington empfohlen wurde. In Deutschland stieß es auf Vorbehalte. «Um 1890 stritten Politiker und Fachleute heftig über die Frage, ob sich Deutschland dem System anschließen solle», sagt der Direktor des Deutschen Uhrenmuseums, Eduard Saluz. Konservative lehnten die Einführung der Mitteleuropäischen Zeit ab: «Sie wollten die Ortszeiten im Alltag beibehalten.»

Wissenschaftler wiederum sagten: Erdbeben und Wetter sowie Bahn- und Postverkehr machten nicht an den Grenzen von Zeitzonen Halt. Besser sei eine einzige Weltzeit. Doch diese kam nicht. Stattdessen etablierte sich die für Mitteleuropa geltende MEZ, die vor und nach Deutschland auch andere europäische Länder einführten. Später kam es zur Unterscheidung zwischen Winter- und Sommerzeit und damit zur Notwendigkeit, regelmäßig die Uhren umzustellen.

Zeitzonen seien sinnvoll, sagt Graf: «Sie unterscheiden sich voneinander jeweils um eine ganze Stunde. Die Aufteilung der Erde in 24 solcher Stundenzonen bewirkt, dass die Sonne ungefähr um 12 Uhr mittags im Zenit steht und das weltweit.» Somit lebe jeder in einer ihm vertrauten Zeit, die sich an dem Stand der Sonne orientiere.

Global unterschiedlich seien nur die Stunden. Da Minuten und Sekunden weltweit im Gleichtakt liefen, könnten Zeiten durch einfaches Hinzufügen oder Abziehen einer bestimmten Zahl von Stunden die Weltzeit UTC errechnet werden, die etwa im Flugverkehr genutzt wird. Dies helfe Wissenschaft und Technik in einer globalisierten Welt.

Im Uhrenmuseum verdeutlichen mehrere so genannter Weltuhren, wie unterschiedlich die Erde tickt. Immer zur Zeitumstellung ist Handarbeit gefragt, wie Uhrmachermeister Matthias Beck sagt. Er geht dann stundenlang durch die Räume und dreht den Zeiger der Uhren von Winter- auf Sommerzeit - und im Oktober umgekehrt.

09:13 22-03-2018




 
 
 
 
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