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Globes und Oscars nach Harvey Weinstein und #MeToo


Das ist wohl sicher - Harvey Weinstein wird bei der Verleihung der Golden Globes und Oscars nicht dabei sein. Die Welle von Vorwürfen wegen sexueller Belästigung wirbelt auch die Trophäen-Saison durcheinander.

Die Weinstein-Affäre wirbelt die bevorstehende Preis-Saison kräftig durcheinander. Die Lawine von Vorwürfen wegen sexuellen Missbrauchs gegen den einst mächtigen Filmmogul Harvey Weinstein riss in den vergangenen Monaten Dutzende Filmschaffende mit in die Schlagzeilen. Männern wie Kevin Spacey, Dustin Hoffman, Brett Ratner und Jeffrey Tambor werden Übergriffe und Machtmissbrauch vorgeworfen. Sie werden sich auf dem roten Teppich wohl nicht blicken lassen. Weinstein wies über sein Sprecher-Team mehrfach Vorwürfe von «nicht einvernehmlichem Sex» zurück.

Normalerweise würde Weinstein jetzt die Werbekampagnen für Preisanwärter anheizen, nun ist der oscarprämierte Produzent die Persona non grata schlechthin. Sein rasanter Absturz und die weltweite Debatte über Sexismus lässt Frauen im Filmgeschäft hoffen, dass Hollywoods alte Machtstrukturen endlich aufbrechen. Bei der Verleihung der SAG-Awards (Screen Actors Guild Awards, am 21. Januar) setzen die Veranstalter erstmals komplett auf Frauen-Power.

Alle 13 Preise, die Hollywoods Schauspielverband vergibt, sollen auf der Gala-Bühne von weiblichen Stars überreicht werden. Auch die Moderation übernimmt eine Frau, Schauspielerin Kristen Bell. In Hollywood habe man immer schon über Gleichberechtigung geredet, sagte Bell kürzlich der «New York Times». «Jetzt sind Mega-Scheinwerfer darauf gerichtet und hinten geht das Feuerwerk ab.» 

Nominiert sind unter anderem Schauspieler wie Frances McDormand, Saoirse Ronan, Judi Dench, Gary Oldman, James Franco und Denzel Washington. Die SAG-Awards gelten als Vorboten für die Anfang März anstehende Verleihung der Oscars, die Nominierungen für Hollywoods höchste Preise werden am 23. Januar verkündet.

Schon bei den Golden-Globe-Nominierungen Mitte Dezember waren Auswirkungen zu spüren: Kevin Spacey etwa musste seine Preis-Hoffnungen für «Alles Geld der Welt» begraben. Spacey, der in dem Entführungsdrama den Ölmilliardär Jean Paul Getty spielte, wurde von Christopher Plummer ersetzt. Regisseur Ridley Scott schnitt kurzfristig alle Szenen mit Spacey aus dem bereits fertigen Film heraus, nachdem Vorwürfe sexueller Belästigung gegen den «House of Cards»-Star bekanntgeworden waren.

Der Schauspieler nehme sich «die nötige Zeit für eine Analyse und Behandlung», hatte sein Sprecher Anfang November übermittelt. Zuvor hatte Spacey über soziale Medien eine recht vage Entschuldigung formuliert, in der er «unangemessenes betrunkenes Verhalten» einräumte und sich gleichzeitig als schwul outete.

Die Globe-Juroren würdigten «Alles Geld der Welt» mit drei Nominierungen - für Plummer als bester Nebendarsteller, Michelle Williams in einer Drama-Hauptrolle und für Regisseur Scott.

Bis zur Oscar-Vergabe sind es noch etwa zwei Monate, der Weinstein-Skandal wird bis dahin kaum vom Tisch sein. Er werde das auf der Oscar-Bühne wohl ansprechen, sagte Show-Moderator Jimmy Kimmel unlängst dem Entertainment-Portal «Vulture.com». «Es ist wirklich nichts zum Lachen», sagte der Komiker.

Längst zerbricht sich die Oscar-Akademie über einen Anstandskodex für ihre mehr als 8000 Mitglieder den Kopf. Weinstein war im Oktober von dem ehrwürdigen Verband gefeuert worden, er wird nicht mehr über künftige Oscar-Gewinner abstimmen. Anfang Dezember gab die Academy eine «Verhaltens»-Erklärung heraus. In dem Verband gebe es keinen Platz für Menschen, «die ihren Status, Macht oder Einfluss» dazu  missbrauchen, die Regeln des Anstands zu verletzen, hieß es unter anderem.

Zudem startete gerade diese Aktion: Mehr als 300 Hollywood-Künstlerinnen wollen der Belästigung von Frauen in der Filmindustrie und im amerikanischen Berufsalltag insgesamt ein Ende bereiten. Reese Witherspoon, Alyssa Milano, Maggie Gyllenhaal und viele weitere riefen am Montag dazu auf, sich der Initiative «Time's Up» (Die Zeit ist um) anzuschließen. Sie versprachen, künftig auch weniger privilegierten Frauen wie Arbeiterinnen, Kellnerinnen und Zimmermädchen Schutz vor und Rechtshilfe nach sexuellen Angriffen zu bieten.

Der Initiative gehören auch Filmstars wie Meryl Streep, Emma Stone, Cate Blanchett, Goldie Hawn und Gwyneth Paltrow sowie Regisseurinnen, Produzentinnen und Drehbuchautorinnen an. Spenden unter anderem von Witherspoon, Streep, Steven Spielberg und Kate Capshaw hätten einen Fonds für Rechtsbeihilfe ermöglicht, der bereits über 13 Millionen Dollar (knapp 11 Millionen Euro) verfüge, berichtete die «New York Times» am Montag. Weitere Ziele der Initiative sind laut Programm, für mehr Geschlechtergleichheit in Filmstudios und Talentagenturen zu sorgen und Gesetze durchzusetzen, die Firmen für sexuelle Übergriffe am Arbeitsplatz bestrafen.

Ob nach dem Rauswurf Weinsteins vor der Oscar-Verleihung noch andere Köpfe rollen werden, bleibt abzuwarten. Bestimmt würde die Akademie nun schneller handeln. Weinsteins Ruf war in der Branche über Jahre Gesprächsstoff, auch Anlass für Witze. So flachste etwa der Schauspieler Seth MacFarlane («Family Guy») 2013 bei der Verkündung der Oscar-Nominierungen für die besten Nebendarstellerinnen: «Herzlichen Glückwunsch. Diese fünf Damen müssen nun nicht mehr so tun, als ob sie Harvey Weinstein attraktiv finden.»

Als Kate Winslet 2009 den Oscar für ihre Hauptrolle in der Weinstein-Produktion «Der Vorleser» entgegennahm, dankte sie zig Kollegen und Hollywoodgrößen - nur der Name Harvey Weinstein kam der Schauspielerin nicht über die Lippen. «Das war völlig absichtlich», sagte Winslet kürzlich der «Los Angeles Times». Er habe sie persönlich zwar nicht sexuell belästigt, aber er sei stets tyrannisch, grob und ekelhaft gewesen, sagte die Schauspielerin über den Produzenten. «Die Tatsache, dass ich in meinem Leben nie wieder etwas mit Harvey Weinstein zu tun haben muss, ist eines der besten Dinge überhaupt, und so denkt wohl die ganze Welt.»

09:08 02-01-2018




 
 
 
 
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