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Kein «Parkieren» für Emil Steinberger – Schweizer Kabarettist wird 85


Filmprojekte, Archiv aufräumen, Malen, Zeichnen, Ausgehen: Der Schweizer Kabarettist Emil Steinberger hat viel vor. Zum Thema Rentner fallen ihm vor allem neue Kalauer ein.

Endlich Archiv aufräumen, endlich ins Kino und Theater gehen, endlich mehr Malen und Zeichnen - eine Leidenschaft, die ihn mit seiner Frau Niccel verbindet, wie er sagt. «Ich freue mich sehr, dass ich keine Termine habe, ein gutes Gefühl. Man hat doch für nichts mehr Zeit», sagt er. Und dann sprüht er gleich wieder vor Arbeitsideen: «Ich würde auch gerne ein lustiges Buch machen, und dann gibt es noch ein paar Projekte wie eine Dokumentation und einen Spielfilm, das ist alles auf halbem Weg.» Die Fans müssen sich erstmal damit begnügen, dass die Emil-Programme demnächst auf DVD zu haben sind.

Steinberger startete in den 1950er Jahren als Postbeamter ins Berufsleben. Die schon in der Schulzeit entdeckte Leidenschaft zur Bühne blieb - zum Leidwesen seiner Eltern. Er setzte sich durch und kündigte die Beamtenstelle. 1964 startete er mit dem Programm «Emil und die 40 Räuber» als Solokünstler und eroberte mit seinem Humor die Zuschauer in der Schweiz, Österreich und Deutschland. Ein bisschen Trotteligkeit, viel Wortwitz, niemals Bloßstellen - das mag mancher Anhänger heutiger Comedy-Größen altmodisch finden, es kommt aber an, wie volle Säle in München, Stuttgart und Hamburg zeigen.

«Es ist unglaublich, dass manche Nummern auch nach 40 Jahren noch funktionieren», sagt Steinberger. Über das Parkplatz-Suchen zum Beispiel, «Parkieren» auf Schweizerdeutsch. Da lacht das deutsche Publikum schon bei dem Ausdruck. Deutsche Fans rieben sich in der Schweiz manchmal die Augen, erzählt er: «Die haben Emil gehört und glauben, sie könnten Schweizerdeutsch verstehen.» Dass Emil in Deutschland natürlich Hochdeutsch - mit Schweizer Lokalkolorit - spricht, ist vielen nicht klar.

Für Steinberger ist es immer ein kleiner Kraftakt, auf Hochdeutsch oder Französisch zu kalauern. «Die Muskeln sind nach 100 Auftritten im Schweizer Dialekt so eingespielt, da ist das Umschalten schwierig», sagt er. Und vieles findet er deutlich eleganter auf Schweizerdeutsch: «Perron» statt Bahnsteig etwa, oder «Ich ha es Buech übercho» statt «Ich habe ein Buch bekommen». Den vielen Sprachen hat er in den 1990er Jahren noch eine hinzugefügt: Sechs Jahre lebte er in New York, ehe er mit seiner zweiten Frau Niccel in die Schweiz zurückkehrte. Seit ein paar Jahren leben die beiden in Basel. «Herrlich, dass man alles und jeden verstehen kann», sagt er.

«Sensationell» findet es Emil Steinberger, wie die Deutschen reden können. «Aber das Tempo: viel zu schnell.» Vor allem Schauspieler - «die reden wie Maschinengewehre.» Am schlimmsten sei das bei den deutschen Krimis: «Die reden so schnell in ihren Bart und ich frage mich: Was hat er jetzt gesagt? Grausam, ich verstehe oft nichts.»

Das Thema Rentner ist für Emil Steinberger vor allem eine Fundgrube für neue Gags. Eine Kostprobe: «Als Rentner habe ich mehr Zeit zum Lesen: Ich habe mir heute ein Buch gekauft, «Cannabis Anbau im Alter»», flachst er gleich los. «Oder die Rentnerfortbildung: Es gibt jetzt einen dreitägigen Kurs, wie man Kleiderbügel aus leeren Bierdosen macht. Das wird lustig: die Bierdosen müssen ja erstmal leer sein.» Auch das Enkel-Hüten nimmt er auf die Schippe: «Da kann ich den Kleinen so Fragen stellen, wie «Weißt du, dass ein Elefant in fünf Minuten 200 Liter Wasser trinken kann?» Aber da muss ich erst noch abklären, ob mit oder ohne Kohlensäure.»

Mit Geburtstag feiern hat Steinberger nichts am Hut. Wie er den Tag verbringe, stehe noch in den Sternen. Das Schweizer Fernsehen legt auf jeden Fall Emil-Programme auf. «Vielleicht schauen wir rein», sagt er.

06:50 02-01-2018




 
 
 
 
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