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Katalog des Elends – UN veröffentlichen Not-Analyse für Afghanistan


40 Seiten mit den neuesten, traurigen Informationen aus Afghanistan, wo der Konflikt mit den radikalislamischen Taliban sich auswächst in einen Krieg: Millionen Menschen werden 2018 dort Nothilfe brauchen, warnen die UN in einem neuen Bericht. Vor allem die Kinder.

Die UN wollen sich damit im kommenden Jahr um sehr viel weniger Menschen kümmern als noch 2017. Im Bedürfnis-Plan für dieses Jahr war noch die Rede gewesen von 9,3 Millionen Menschen, die humanitäre Hilfe brauchen. Die UN unterscheiden zum ersten Mal zwischen Menschen in lebensbedrohlichen Situationen und chronischen Bedürfnissen. Dem liegt eine jahrelange Auseinandersetzung zugrunde zwischen den humanitären Helfern im Land, die sich nur für die Nothilfe zuständig sehen, und Entwicklungshilfsorganisationen, die sich um langfristige, armutsbedingte Probleme kümmern sollen.

Die UN schätzen, dass zusätzlich zu den 3,3 Millionen Menschen in lebensbedrohlicher Not weitere 8,7 Millionen Menschen unter solchen «langfristigen Defiziten» leiden, zum Beispiel keinen Zugang zu Bildung oder medizinischer Hilfe haben. Vielleicht bringe ja die striktere Haltung der Helfer die Entwicklungsseite dazu, mehr zu leisten, sagte eine Quelle. Ob die Entwicklungshilfsorganisationen willens und in der Lage sind, die neuen Lücken zu füllen, blieb zunächst unklar.

Gleichzeitig bleibt Afghanistan, wo sich der Konflikt mit dem radikalislamischen Taliban in einen Krieg auswächst, aus Sicht der UN eines der gefährlichsten Länder der Welt für Helfer. In den ersten zehn Monaten des Jahres seien 17 getötet, 15 verletzt und 43 entführt worden. Eine Konsequenz der neuen Gefahren sei, dass Hilfsorganisationen ihre Arbeit einschränkten. «Zwischen Juli und September ist die Zahl der Partner, die wenigstens zwei der folgenden Aktivitäten durchgeführt haben - Hilfslieferungen, Bedarfsprüfungen oder Überprüfung von Projekten - von 170 auf 153 gefallen.»

Der knapp 40 Seiten lange OCHA-Bericht gehört jedes Jahr zu den wichtigsten Sammlungen von Fakten aus dem humanitären Bereich. Die Autoren werfen zum Beispiel ein Licht auf die Situation der Kinder.

Demnach sind mehr als 30 Prozent aller afghanischen Kinder seelischen Belastungen ausgesetzt, weil sie konstant fürchten müssen, getötet oder verletzt zu werden oder weil Angehörige gewaltsam gestorben sind. In manchen Gegenden, wie im schwer umkämpften nordafghanischen Kundus, wo bis 2013 noch die Bundeswehr Schutzmacht war, seien es bis zu 68 Prozent. In den ersten neun Monaten des Jahres waren laut UN 2480 Kinder im afghanischen Krieg getötet oder verletzt worden.

Außerdem seien 40 Prozent aller Kinder unter fünf Jahren in der Entwicklung verzögert. Bis zu 3,5 Millionen aller Kinder gingen nicht zur Schule. Die Kindersterblichkeitsrate sei unter den höchsten in der Welt: Durchschnittlich stürben bei 1000 Geburten rund 70 Babys.

Etwa 39 Prozent aller Afghanen, die die UN in diesem Bericht auf 34,5 Millionen Menschen schätzen, leben unter der Armutsgrenze, heißt es in dem Bericht weiter. Knapp zwei Millionen Menschen hätten oft nicht genug zu essen. Die größte Not sehen die UN aber unter den wachsenden Gruppen der Kriegsvertriebenen. Bisher seien 2017 rund 360 000 Menschen aus ihren Dörfern und Städten vertrieben worden. 900,000 Menschen lebten derzeit unter unmenschlichen Bedingungen in Lagern.

15:08 04-12-2017




 
 
 
 
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