Monday, September 24, 2018   Last Update: 1:33 AM EST
decrease text size increase text size
Slide background
Slide background
Suchen:      



Kardinal warnt Papst vor «Katastrophe» durch Abmachung mit Peking


Vor genau fünf Jahren wurde Papst Franziskus gewählt. Eines seiner umstrittensten Vorhaben ist die Annäherung an die kommunistische Führung in China. Er will die jahrzehntealte Kluft zwischen Staats- und Untergrundkirche verringern. Aber wie hoch ist der Preis?

Der Papst will nach Berichten auch ihre Exkommunizierung aufheben. Die Bischöfe waren mit dem Ausschluss aus der Kirche bestraft worden, weil sie gegen seinen Willen die Ernennung durch die Staatskirche angenommen hatten. Franziskus, der am Dienstag vor fünf Jahren (13. März 2013) gewählt worden war, sucht eine Annäherung an Peking und will die Spaltung der katholischen Kirche in China überwinden. Wegen der Differenzen konnte der Papst bisher nicht nach Peking reisen.

Mehr als die Hälfte der schätzungsweise mehr als zehn Millionen Katholiken in China entzieht sich der Kontrolle des Staates und steht loyal zum Papst, wofür viele auch verfolgt werden. Kardinal Zen warnte vor einer Anerkennung der Staatskirche durch den Papst. Aus seiner Sicht werden damit dann auch jene Katholiken unterjocht, die bisher in der Untergrundkirche ihrem Glauben nachgehen.

«Die "Opportunisten" in der offenen Gemeinschaft sind die Gewinner. Die vielen anderen können ein gutes Gewissen haben, in Sklaverei zu leben», sagte Zen. «Die wenigen, die sich in der Gemeinschaft noch widersetzen, werden sehr traurig sein, jede Hoffnung auf die nahe Zukunft aufzugeben», sagte der 86-jährige pensionierte Kardinal, der dem Papst im Januar in Rom seine Bedenken vorgetragen hatte.

«Aus der Untergrundkirche werden viele hervorkommen - in den Vogelkäfig», sagte Zen mit Blick auf die Beschränkungen durch die Staatskirche. «Es ist sicherer, und jetzt gibt es ein gutes Gewissen, weil der Heilige Stuhl sagt, es sei in Ordnung.» Nach Jahrzehnten des Widerstands unter zum Teil großen persönlichen Opfern werde es aber auch Enttäuschung geben. «Viele andere werden sehr traurig und vielleicht auch verärgert sein, sich betrogen fühlen.»

Im Mittelpunkt des Streits mit Peking steht der Anspruch des Papstes, die Bischöfe der Kirche zu ernennen, was die chinesische Regierung als Einmischung in innere Angelegenheiten ansieht. Nach ihrer Machtübernahme 1949 hatten die Kommunisten die Beziehungen zum Vatikan abgebrochen und 1951 die «Katholische Patriotische Vereinigung» gegründet. Priester und Ordensschwestern, die dieser Staatskirche nicht beitreten wollten, wurden inhaftiert, geschlagen und manche umgebracht. Wer weiterhin dem Papst die Treue hielt, musste in den Untergrund flüchten.

Unter Staats- und Parteichef Xi Jinping wurde seit 2012 die Kontrolle von Religionsgruppen allerdings noch verschärft. So äußerte sich der China-Experte Bernardo Cervellera vom katholischen Nachrichtendienst AsiaNews auch «skeptisch» über die Pläne des Papstes und verwies auf die heute anhaltende Unterdrückung von Katholiken und die Zerstörung von Kirchen in China. «Jede Vereinbarung, die nicht größere religiöse Freiheit garantiert, ist eine schlechte Abmachung.»

Im Gegenzug für die Anerkennung der sieben Bischöfe der Staatskirche soll Peking dem Papst künftig eine Art Vetorecht bei der Auswahl der Kandidaten für Bischofsposten der Staatskirche einräumen, hieß es in Presseberichten. Viele Fragen scheinen aber noch ungelöst. So ist auch unklar, was aus den mehr als 30 Bischöfen der Untergrundkirche wird, die von Rom, aber nicht von Peking anerkannt sind.

Um formelle Beziehungen zu Peking aufnehmen zu können, müsste der Vatikan auch die diplomatischen Beziehungen zu Taiwan aufgeben, wozu der Papst nach Ansicht von Beobachtern bereit wäre. Peking betrachtet die demokratische Inselrepublik nur als abtrünnige Provinz.

04:05 13-03-2018




 
 
 
 
Mostly Chocolate
Niche
European Deli
Washington Sängerbund
 
sb btm
 

Anzeigen

1
 
2
 
3