Sunday, September 15, 2019   Last Update: 10:07 AM EST
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Jenseits der Gipfelwelt: Die «Verschwundenen» von Peru


Peru ist Ende der Woche Schauplatz des großen Asien-Pazifik-Gipfels. Noch immer lastet auf dem aufstrebenden Land die Vergangenheit. 15 000 Menschen gelten noch als verschwunden. Eine Ausstellung rückt ihr Schicksal eindrucksvoll in den Fokus.

Kurz darauf wurde er wahrscheinlich getötet, zerstückelt und begraben. Einen Tag später kamen Ermittler der Staatsanwaltschaft, um die Beschwerde über sein Verschwinden zu überprüfen, wie ein ehemaliges Marinemitglied vor der Wahrheits- und Versöhnungskommission zur Aufklärung der Menschenrechtsverletzungen in Peru aussagte.

In Peru findet Ende der Woche der Asien-Pazifik-Gipfel (Apec) von 21 Staaten statt, zu dem auch US-Präsident Barack Obama, Chinas Staatschef Xi Jinping und Russlands Präsident Wladimir Putin anreisen werden. Der neue Präsident Pedro Pablo Kuczynski will das moderne, wachsende Peru präsentieren. «PPK», wie er genannt wird, setzt auf mehr wirtschaftliche Öffnung - er gewann im Juni gegen Keiko Fujimori, Tochter des wegen schwerer Menschenrechtsverbrechen in Haft sitzenden autoritären Ex-Präsidenten Alberto Fujimori.

In seine Amtszeit (1990-2000) fiel auch die Eskalation des Konflikts mit den kommunistischen Terrororganisationen «Sendero Luminoso» (Leuchtender Pfad) und «Movimiento Revolucionario Túpac Amaru» (MRTA). Überlebende der Terrorjahre berichteten von der Ermordung ganzer Dorfgemeinschaften durch Militärs in Fujimoris Amtszeit. Zudem ist auch das Kapitel Zehntausender Zwangssterilisierungen bei armen und indigenen Frauen nicht richtig aufgearbeitet worden.

Die Witwe des verschwundenen Journalisten Ayala leidet noch heute. «Ich denke immer daran, was wohl seine letzten Worte gewesen sein mögen, oder woran er in den Tagen gedacht hat, als sie ihn festnahmen. Diese Gedanken quälen mich noch immer», sagt Pallqui und wischt sich mit der Hand die Tränen aus dem Gesicht. «Ich weiß nicht, ob ich Gerechtigkeit bekommen kann, aber ich will wenigsten seine Leiche haben.» In Ayalas Fall sind die Täter bis heute ungestraft.

Ihr Sohn, der beim Verschwinden seines Vaters erst vier Monate alt war, ist auch von der Justiz enttäuscht. Aber sie werden die Hoffnung nicht aufgeben, dem Mann und Vater ein christliches Begräbnis zu geben. Der Schmerz der Ungewissheit, den die Angehörigen seit teils mehr als drei Jahrzehnten mit sich herumtragen ist auch in der Fotoausstellung «Desaparecidos, entre la búsqueda y la esperanza» (Die Verschwundenen - zwischen Suche und Hoffnung) zu spüren, die vom Internationalen Komitee des Roten Kreuzes (IKRK) und dem Kulturministerium am Ort der Erinnerung in Lima organisiert wurde. Sie ist dort noch bis zum 15. Januar zu sehen.

«Ich bin voll davon überzeugt, dass diese Ausstellung Bürgern und dem Staat helfen wird, das wahre Leiden der Hinterbliebenen zu verstehen, die keine Ruhe haben werden, bis sie die Überreste ihrer Angehörigen gefunden haben», sagt die IKRK-Verantwortliche für Peru, Bolivien und Ecuador, Silvana Mutti. In mehr als 40 Bildern zeigt die Ausstellung die Angehörigen der Verschwundenen und dokumentiert Exhumierungsprozesse sowie die Übergabe und Beerdigung der sterblichen Überreste der Opfer. Schätzungen zufolge sollen insgesamt fast 70 000 Menschen in den Auseinandersetzungen ihr Leben gelassen haben.

In der Ausstellung gibt es auch ein kilometerlanges Hoffnungsband, das von über 1000 Betroffenen des Konflikts gewoben wurde. Darauf sind Stoßgebete zu lesen, aber auch Namen und Daten wie «Gutierrez Rojas M., getötet am 20.6.1984» oder «Claudio Valenzuela, gefoltert 1983». Manchmal sind es nur einzelne Worte wie «Gerechtigkeit» oder «Liebe und Frieden». In dem Hoffnungsband verarbeitet sind auch Kleidungsfetzen, Babyschuhe, Fotos und andere Habseligkeiten der Opfer.

Ziel der Ausstellung sei auch, die geordnete Suche nach den Verschwundenen in Gang zu bringen, die im Juni nach einem langen Ringen zwischen Hinterbliebenen, dem IKRK und dem Schiedsgericht vereinbart wurde, sagt die Kuratorin Marina García. Danach müssen die Angehörigen nicht mehr erst vor Gericht ziehen, bis der Staat die Suche nach den Opfern beginnt. In Peru soll es mehr als 6000 Massengräber geben. Die Staatschefs beim Apec-Gipfel werden davon nichts mitbekommen, sie werden das schöne, moderne Peru sehen.

06:25 17-11-2016




 
 
 
 
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