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(Alle Nachrichten)



» Heldendämmerung in Kiew: Ex-Pilotin soll Putsch geplant habenVon Andreas Stein, dpa(Foto – Archiv)



In kurzer Zeit deckt die ukrainische Staatsanwaltschaft zweimal Umsturzpläne auf. Diesmal erwischt es die einstige Freiheitsikone Nadeschda Sawtschenko. Werden politische Gegner des Präsidenten damit kaltgestellt, oder reift in der Ukraine Aufruhr heran?

Sie habe mit einer Handvoll Militärs einen Putsch und ein Blutbad im Regierungsviertel geplant, sagt Luzenko. Als Beweis zeigt er eine Videopräsentation mit abgehörten Gesprächen. «Ich schlage einen Staatsstreich vor. Sie müssen alle physisch beseitigt werden, alle und das sofort an einem Tag», hört man die 36-Jährige sagen.

Doch stimmen die Vorwürfe? Oder will Staatschef Petro Poroschenko im Jahr vor der Präsidentenwahl mögliche Rivalen kaltstellen. Erst im Dezember hatte sein Vertrauter Luzenko von angeblichen Umsturzplänen des georgischen Ex-Präsidenten Michail Saakschwili berichtet. Der ist mittlerweile abgeschoben worden. Und nun Sawtschenko?

Keine zwei Jahre hat sie in Freiheit verbracht. Bei Kämpfen gegen Separatisten 2014 in der Ostukraine geriet die Soldatin in russische Gefangenschaft. Sie wurde wegen angeblichen Mordes verurteilt, sang bei der Urteilsverkündigung die ukrainische Hymne, zeigte der russischen Gerichtsbarkeit ihre Verachtung. Nach internationalem Protest wurde sie gegen zwei Russen ausgetauscht. Als gefeierte Ikone des Widerstands kehrte sie 2016 in die Heimat zurück.

Jetzt sitzt die 36-Jährige erneut im Gefängnis, diesmal in einem ukrainischen. Wie ist die Heldin so abgestürzt? Sie eckte nach ihrer Rückkehr an. Die Fraktion der Vaterlandspartei schloss die Nummer eins der Parteiliste wegen Kontakten zu den Separatistenchefs aus. In Kiew gelten die Machthaber in Donezk und Luhansk als Terroristen und russische Marionetten. Sawtschenko sagt, es sei ihr um die Befreiung gefangener Soldaten gegangen. Sie ist ins verhasste Moskau gereist, um dort Ukrainer vor Gericht zu unterstützen. Doch regierungsnahe Kommentatoren verdächtigen sie deshalb als Agentin des Kremls.

Chefankläger Luzenko fährt schweres Geschütz gegen sie auf, auch wenn er die Angaben zum geplanten Hergang mehrfach variiert hat. Vom Fluss Dnipro aus hätten die Verschwörer das Zentrum von Kiew mit Granaten beschießen wollen. Im Parlament hätten Bomben explodieren sollen. Wer den Einsturz der Kuppel überlebt, den sollen Schüsse erledigen. Von «unstrittigen Beweisen» sprach Luzenko am Donnerstag.

Ganz aus der Luft gegriffen scheint der Verdacht nicht zu sein. Wladimir Ruban, einen Mitstreiter Sawtschenkos, nahm der Geheimdienst am 8. März mit einem Kleinbus voller Waffen im ostukrainischen Kriegsgebiet fest. Der als Unterhändler mit den Separatisten bekannt gewordene angebliche General streitet die Pläne ab. Dennoch taucht er in den Videos als Gesprächspartner der Ex-Soldatin auf.

Sawtschenko sagte zu ihrer Verteidigung, sie habe im Wissen um die Überwachung Verwirrung stiften wollen. Es sei für sie ein Spiel mit dem Geheimdienst gewesen, um die Elite in Angst zu versetzen. Zumindest damit hat sie Erfolg. Im Eiltempo verabschiedet das Parlament ein Gesetz, das Sicherheitskontrollen auch für Abgeordnete vorschreibt. Poroschenko dankt den Behörden. Und er schiebt die Verantwortung Moskau zu: «Das Ziel dieser russischen Spezialoperation ist es, Chaos zu säen und den ukrainischen Staat zu vernichten.»

Sawtschenko sagt, sie denke so wie viele Patrioten: «Mich braucht ihr nicht zu fürchten. Fürchtet die Ukrainer!» Das Land im Osten Europas steckt seit Jahren in der Wirtschaftskrise. Es gibt keine Aussicht auf ein Ende des Krieges im Osten. Und es wächst der Wunsch, die als unfähig angesehene Staatsführung zu beseitigen.

Die Hürden für eine Verurteilung Sawtschenkos sind hoch. Die Ermittlungsergebnisse vor Aufhebung ihrer Immunität könnten illegal sein. Die Anklage brauche bessere Beweise als die Abhörprotokolle, sagte Ex-Generalstaatsanwalt Swjatoslaw Piskun beim Nachrichtensender 112. So ist es also nicht unwahrscheinlich, dass Sawtschenko bald wieder im Parlament sitzen wird. Denn das Mandat, in das sie während ihrer Russland-Haft gewählt wurde, hat die Fraktionslose weiter.

07:27 24-03-2018
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