Wednesday, August 23, 2017   Last Update: 3:28 PM EST
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Griechen und Deutsche: Noch kein uneingeschränktes «S\\\’agapo»


Vor zwei Jahren schien zwischen den beiden Ländern nichts mehr zu gehen: «Pleite-Griechen» beschimpften «Nazi-Deutsche» und umgekehrt. Mittlerweile hat sich die Lage beruhigt - aber ein Stachel bleibt.

«Verkauft doch eure Inseln, ihr Pleite-Griechen ... und die Akropolis gleich mit!» Es waren Schlagzeilen wie diese, die den Griechen und vor zwei Jahren an die Nieren gingen. Vom «seltsamen Volk» war die Rede in deutschen Medien, von den «Betrügern in der Euro-Familie», den Ouzo-Trinkern, Prassern und Großmäulern. Kein Wunder, dass das Fazit lautete: «Und jetzt doch! Die Griechen wollen unser Geld!»

Diese Tour funktionierte auch umgekehrt: «Die Deutschen wollen uns auspressen wie eine Zitrone, sie wollen unsere Inseln aufkaufen und unsere Häuser, unser Land. Sie führen Krieg wie früher, nur diesmal mit den Waffen der Wirtschaft», hieß es in griechischen Zeitungen. Deutschland strebe die Vormachtstellung in Europa an, deshalb sei Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble auch so gnadenlos.

«Es war die Schlacht der Stereotype», sagt Jens Bastian rückblickend. Der deutsche Wirtschaftsberater lebt seit 17 Jahren in Griechenland und hat den Zwist zwischen seinen beiden Heimatländern hautnah miterlebt. Bastian spricht von einer «enorm polarisierten Auseinandersetzung» - und hat durchaus eine Erklärung für die Haltung seiner Wahlheimat Griechenland.

«Griechenland hatte ein Deutschlandbild, das der Wirklichkeit nicht mehr entsprach», sagt er. «Im Grunde hat man die neue deutsche Politiker-Generation verschlafen, man dachte hierzulande, man hätte es noch mit der Scheckbuchdiplomatie eines Genscher, eines Brandt oder Schmidt zu tun.» So seien die Griechen überrascht und enttäuscht gewesen von der harten Reaktion, der mangelnden Solidarität und dem scharfen Ton der Auseinandersetzung. «Und man muss ja auch sagen - es hatte durchaus etwas Oberlehrerhaftes. Man wollte Griechenland zur Ordnung rufen. Ständig hieß es, das Land müsse liefern, müsse seine Hausaufgaben machen. Über die Erfolge wurde kaum gesprochen.»

Diese Kritik teilt der Journalist Spyros Sourmelidis, politischer Redakteur der Athener Tageszeitung «Kontra News». Die unerbittliche Haltung Deutschlands in der griechischen Krise habe in seinem Land zu einem latent antideutschen Klima geführt - das sich allerdings nicht in die Praxis übertrage, wie er betont: «Ein Grieche würde einen Deutschen nie persönlich angehen, einfach weil er Deutscher ist. Man kommt hier auch nicht auf die Idee zu sagen: Ich bediene dich nicht, weil du Deutscher bist, oder: Ich kaufe keine deutschen Produkte.»

Vielmehr beziehe sich die kritische Haltung auf die Politik, sagt Sourmelidis. «Die abwertenden Aussagen vieler deutscher Politiker zu jener Zeit haben hier das Gefühl verstärkt, dass die Deutschen uns feindlich gegenüberstehen.» Unvergessen der stellvertretende CDU-Vorsitzende von Baden-Württemberg, Thomas Strobl, der vor laufender Kamera verkündete: «Der Grieche hat jetzt lang genug genervt.» Ähnliches vom heutigen Innenminister Nordrhein-Westfalens, Herbert Reul: Anderen europäischen Völkern gehe es wahrscheinlich noch schlechter, aber «die maulen nicht jeden Tag rum», befand er im Sommer 2015 zur Lage Griechenlands.

Anders die Kanzlerin zum Wahlkampfauftakt. In Dortmund forderte sie am Samstag, dass niemals gesagt werden solle: «Die Griechen können nicht arbeiten, und die Deutschen sind Austeritäts-Fetischisten.» Sie wandte sich damit gegen die Vorwürfe vor allem südlicher EU-Länder, sie selbst betreibe eine zu harte Sparpolitik zur Verringerung der Staatsverschuldung. «Jeder Mensch hat seine eigene Würde. Und so wie es faule Deutsche gibt und fleißige, wie wir alle unterschiedlich sind, so dürfen wir niemals kategorisieren.»

In Griechenland genießt die Kanzlerin, anders als Wolfgang Schäuble, durchaus Respekt. «Während Wolfgang Schäuble weiterhin für den harten, unnachgiebigen Deutschen steht, ist man hier bei Angela Merkel ins Grübeln geraten. Es scheint, dass man mit ihr reden kann, dass es Spielräume gibt», sagt Jens Bastian. Tatsächlich hört man sogar so manchen Griechen sagen: «So eine wie Merkel, die bräuchten wir hier als Regierungschefin!»

Für viele Griechen scheint übrigens festzustehen, dass die Kanzlerin die Bundestagswahl gewinnt. Ansonsten jedoch lässt der für Deutschland so wichtige Termin die Menschen kalt. «Sie rechnen nicht damit, dass sich in der deutschen Griechenlandpolitik etwas ändern wird, egal welche Regierung. Außerdem haben sie selbst genug andere Sorgen», vermutet Spyros Sourmelidis. Und Jens Bastian glaubt, dass die Griechen sich eigentlich nur eines wünschen: dass Wolfgang Schäuble nicht mehr Finanzminister wird.

10:09 13-08-2017




 
 
 
 
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