Saturday, October 21, 2017   Last Update: 7:07 PM EST
decrease text size increase text size
Slide background
Suchen:      



– GastlandFrankreich)Buchmesse-Gastland Frankreich: Politischer Auftritt mit vielen Stars


Die französischsprachige Literatur ist reich und von geografischer Vielfalt. Auf die Frankfurter Buchmesse schickt das Gastland preisgekrönte Autoren. Ein Auftritt «à la française».

Paris (dpa)  Michel Houellebecq, Yasmina Khadra, Yasmina Reza, Nancy Huston und Amélie Nothomb: Große Namen, preisgekrönte Schriftsteller. Sie gehören zu den mehr als 130 Autorinnen und Autoren, die das Gastland Frankreich für die Frankfurter Buchmesse angekündigt hat. Aber in Frankfurt soll vom 11. bis 15. Oktober die französische Sprache insgesamt im Vordergrund stehen - und die wird von mehr als 270 Millionen Menschen weltweit gesprochen, nicht nur in Frankreich, sondern auch in Afrika, Asien und dem Maghreb.

Erstmals war Frankreich 1989 zu Gast auf der weltweit größten Buchmesse. Mit seiner Antwort auf die diesjährige Einladung nach Frankfurt hat sich das Land zunächst viel Zeit gelassen. Dafür tritt es nun mit Pauken und Trompeten auf. Denn neben den über 180 Autoren werden mehr als 500 Übersetzungen französischer Bücher präsentiert.

Die französische Literatur ist reich an wichtigen Strömungen und bedeutenden Schriftstellern, allen voran Houellebecq, das «Enfant terrible» der schreibenden Zunft. Seit Jahren schon nimmt er in seinen Romanen die narzisstische Konsumgesellschaft des Westens und den Islam ins Visier. In Frankfurt wird der 61-Jährige diesmal zwar ohne ein neues eigenständiges Werk gefeiert. Etwas bislang noch Unbekanntes gibt es dennoch von ihm zu entdecken. 

In «Blau Weiß Rot Frankreich erzählt», einer Anthologie von in Frankreich lebenden Autoren, wurde «Mourir» (Sterben) veröffentlicht. Den Text hat Houellebecq als 47-Jähriger geschrieben. Publizieren wollte er ihn nie. Darin erwähnt er seine Kindheit und seine Beziehungen zu seinen Eltern; Autobiografisches, mit dem sich der Schriftsteller gewöhnlich zurückhält. 

Mit Yasmina Khadra kommt einer der erfolgreichsten Autoren Algeriens. Bevor er Ende 2000 nach Frankreich auswanderte, war er Offizier in der algerischen Armee. Sein Geburtsland, das von Korruption, Terror und Armut heimgesucht wird, steht im Mittelpunkt seiner Werke. Sein jüngst auf Deutsch erschienener Roman «Die Engel sterben an unseren Wunden» erzählt die Geschichte eines in Armut lebenden Jungen, der von einem besseren Leben träumt.

Zu den international bekanntesten französischen Autorinnen gehört Yasmina Reza. In ihren Geschichten lotet sie die Untiefen von Paarbeziehungen aus. So auch in «Babylon», das Ende August erschienen ist. Ebenfalls mit Beziehungslügen, diesmal jedoch im Spannungsfeld der Familie, setzt sich die Franko-Kanadierin Nancy Huston auseinander.

Arbeitslosigkeit, Terroranschläge, zunehmender Kapitalismus, Rechtspopulismus und Rassismus: Themen, mit denen sich immer mehr französischsprachige Autoren auseinandersetzen. Zu ihnen gehören die im Iran geborene Schriftstellerin und Filmemacherin Négar Djavadi sowie der 35-jährige Jean-Baptiste Del Amo. Beide werden in Frankfurt erwartet.

Nicht immer war die französische Literatur so vielfältig und vor allem so politisch und gesellschaftskritisch wie derzeit. Noch vor gut einem Jahrzehnt wurde der Markt von Tagebüchern überschwemmt. Damals fragte die Académie française, Frankreichs oberste Instanz für Literatur und Sprache, ob der französische Roman ausgestorben sei, der mit Balzac, Flaubert und Stendhal jahrhundertelang Europa als Vorbild diente.

Frankreich zählt bis zu 4 000 Verlage. In Frankfurt sind hauptsächlich die Autoren der Schwergewichte aus Paris vertreten.  «Es gibt so viele kleine, unabhängige Verlage, die auch viele Autoren entdecken und deshalb auch in Frankfurt sein sollten», sagte Pierre Astier, einer der bekanntesten französischen Literaturagenten, der Deutschen Presse-Agentur in Paris. Es könne nicht angehen, dass fünf Kontinente von 20 bis 30 Verlegern in Paris vertreten werden. Astier reist seit 25 Jahren nach Frankfurt und war anfänglich auch Mitglied im Auswahlkomitee. 

Zu den Bestsellerautoren zählt seit geraumer Zeit schon Guillaume Musso. In Deutschland ist von ihm der Roman «Ein Engel im Winter» erschienen, der mit John Malkovich in der Hauptrolle auch verfilmt wurde. Seine Bücher erreichen regelmäßig sechsstellige Verkaufszahlen.

Zusammen mit Marc Levy, dessen Roman «Wenn wir zusammen sind» in Deutschland als Buch und Film erschien, gehört Musso zu den meistverkauften französischen Autoren. Beide fehlen in Frankfurt, denn sie zählen zu den populären Schriftstellern, die von Frankreichs Literaturkritikern seit jeher gegeißelt werden. Auch Vertreter des Kriminalromans sind abwesend. Dabei können Autoren wie Jean-Christophe Grangé und Caryl Férey durchaus mit amerikanischen Schreibern wie Dan Brown und Don Winslow mithalten. 

«Francfort en français» heißt der Slogan der Gäste, die im Vorfeld der Buchmesse eine Kulturoffensive angekündigt haben. Eine Offensive «à la française» mit großen Namen, etwas zentralistisch und elitär.

04:06 22-09-2017




 
 
 
 
Niche
European Deli
Resorts Oktoberfest
Washington Sängerbund
 
sb btm
 

Anzeigen

1
 
2
 
3