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– Gastland Frankreich)Frankreich zu Gast auf der Buchmesse – Ein Blick auf Neuerscheinungen


Andras, Joseph: Die Wunden unserer Brüder, 160 Seiten, Hanser Verlag, ISBN 978-3-446-25641-5:

1957 wurde unter dem damaligen Justizminister François Mitterrand ein Algerienfranzose exekutiert, der im Algerienkrieg ein Jahr zuvor in einem leerstehenden Gebäude eine Bombe gelegt hatte. Der junge Autor Andras erzählt diese unbarmherzige Geschichte - ausgezeichnet mit dem Prix Goncourt - schnörkellos und einfühlsam.

Autissier, Isabelle: Herz auf Eis, 224 Seiten, Mare Verlag, ISBN 978-3-866-48256-2:

Ein junges Paar aus Paris geht mit einer Jacht auf Weltreise, strandet jedoch nach einem Unfall auf einer unbewohnten Insel vor Kap Hoorn. Es beginnt ein Psychodrama ums Überleben - der Leser gerät mit in den Sog dieses Beziehungskampfs. Ein literarisch ansprechender Roman von hohem Unterhaltungswert, aber kein Buch für schwache Nerven. Die Autorin hat einst als erste Frau bei einer Regatta allein die Welt umsegelt.

Daoud, Kamel: Der Fall Meursault eine Gegendarstellung, Kiepenheuer & Witsch, 208 Seiten, ISBN 978-3-462-05060-8:

Ein alter Mann sitzt in einer Bar in Oran in Algerien und erzählt. Er erzählt die Geschichte seines Lebens und jenes Arabers, der 1942 von einem gewissen Meursault am Strand von Algier erschossen wurde und bei dem es sich um seinen Bruder Moussa handelt. Camus wurde mit «Der Fremde» weltberühmt, in dem das Opfer stets namenlos blieb. Kamel Daoud gibt in seinem Roman dem Toten seinen Namen zurück und schreibt die Geschichte aus einer postkolonialen Sicht. Für den Roman erhielt Daoud die begehrte Auszeichnung des Prix Goncourt für einen Erstlingsroman. 

Despentes, Virginie: Das Leben des Vernon Subutex, Kiepenheuer & Witsch, 400 Seiten, ISBN: 978-3-462-31727-5:

Sex, Drugs and Rock'n Roll einmal aus Paris: Despentes, die als Gegenstück zu Michel Houellebecq gilt, macht aus dem sozialen Abstieg eines Punkrockers ein Sittengemälde der französischen Gesellschaft. Lakonisch, witzig und auch böse. Ein Ton, der die Kritiker fast durchweg begeistert hat.

Énard, Mathias: Der Alkohol und die Wehmut , Matthes & Seitz, 106 Seiten, ISBN 978-3-95757-349-0:

Dreitausend Kilometer und drei Tage lang rüttelt der Zug mit Mathias von Moskau nach Nowosibirsk. Dabei lässt er sein Leben Revue passieren, seine Zeit in Russland, seine Liebe zu Jeanne und Wladimir, eine wilde Dreiecksbeziehung, der keiner der drei gewachsen war. Dichte Erzählung und kenntnisreiche Assoziationen: Enard gilt nicht umsonst als Frankreichs neuer Balzac.    

Faye, Gaël: Kleines Land, Piper Verlag, 224 Seiten, ISBN 978-3-492-05838-4:

Als Kind baute Gabriel in Burundi Boote aus Bananenstauden und pflückte heimlich Mangos von den Bäumen fremder Gärten. Dann schlitterte das Land in einen Bürgerkrieg zwischen Hutu und Tutsi. In seinem Exil in Frankreich kehrt er Jahre später in Gedanken in seine Heimat und das Paradies seiner Kindheit zurück. Mit dem Roman feiert der Musiker und Sohn eines französischen Vaters und einer ruandischen Mutter sein Debüt als Schriftsteller. Das Werk ist grausam und menschlich zugleich. Ein überwältigendes Buch.

Foenkinos, David: Das geheime Leben des Monsieur Pick, DVA, 329 Seiten, ISBN: 978-3-421-04760-1:

Henri Pick war zeitlebens Pizzabäcker in einem kleinen Dorf in der Bretagne - und hat nach Aussage der Witwe nie ein Buch angerührt. Nach seinem Tod macht eine Lektorin die sensationelle Entdeckung, dass er heimlich ein bestsellerträchtiges Manuskript verfasst hat. Foenkinos hat eine amüsante Persiflage auf den Buchmarkt und dessen Marketingmaschen geschrieben.

Khadra, Yasmina: Die Engel sterben an unseren Wunden, Ullstein Verlag, 379 Seiten, ISBN 978-3-548-28880-2:

Turambo wächst im ländlichen Algerien zwischen den Weltkriegen in extremer Armut auf. Er träumt davon, so zu leben wie die französischen Kolonialherren in Freiheit und Wohlstand. Seinen Traum kann er sich für wenige Jahre erfüllen. Doch dann lernt er eine junge Französin kennen. Für seine Liebe zu ihr wird er zum Verbrecher. Wie immer beschreibt der in Algerien geborene Autor ungeschönt und detailreich den Alltag der algerischen Bevölkerung. Dramatisch und höchst lesenswert. 

Laferrière, Dany: Die Kunst, einen Schwarzen zu lieben ohne zu ermüden, Verlag Das Wunderhorn, 136 Seiten, ISBN 978-3-88423-568-3:

Montreal Anfang der 1980er-Jahre: Zwei arbeitslose schwarze Migranten teilen sich eine heruntergekommene Einzimmerwohnung. Der eine liest den ganzen Tag und hört Jazz, der andere träumt davon, Schriftsteller zu werden. Nur eines haben sie gemeinsam: Sie schleppen weiße Studentinnen von der benachbarten Universität ab. Ironisch, knackig und scharfsinnig. 

Reza, Yasmina: Babylon, Hanser Verlag, 224 Seiten, ISBN 978-3-446-25770-2:

Yasmina Reza («Der Gott des Gemetzels») nimmt auf der Bühne und in ihren Romanen genüsslich die Neurosen und Lebenslügen des Bürgertums auseinander. Im neuen Roman - wieder eine Tragikomödie der gewohnten Art - gibt es sogar noch eine Leiche. Für Reza-Fans sicherlich ein Muss!

04:05 22-09-2017




 
 
 
 
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