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Drei Monate nach Grenfell-Katastrophe: Frust und viele Fragen


Eine Katastrophe erschütterte vor drei Monaten nicht nur London: Mindestens 81 Menschen starben im Flammeninferno des Grenfell Towers. Es wird wohl noch lange dauern, bis die Schuldigen gefunden sind.

«Ich habe mehrere Leute aus dem Fenster springen sehen», schilderte ein Nachbar damals schockiert. Schon in dieser Nacht berichteten Augenzeugen, was sich später als bittere Wahrheit herausstellte: Ein defekter Kühlschrank explodierte in einer Wohnung - und die Flammen fraßen sich in rasendem Tempo die Außenfassade hoch.

Mindestens 81 Menschen überlebten die Katastrophe in dem Sozialbau mit seinen etwa 120 Wohnungen nicht. Einige Opfer werden wohl nie identifiziert werden, wie die Polizei mitteilte. Die Hitze hinterließ fast nur Schutt und Asche. Wie konnte das Unglück passieren? Wer ist dafür verantwortlich? An diesem Donnerstag beginnt in London eine öffentliche Untersuchung der Ursachen. Sie war von der politisch unter Druck stehenden Premierministerin Theresa May zugesagt worden.

«Jeder wusste, dass es in dem Block Sicherheitsbedenken gab», sagte eine junge Nachbarin. Allgemeine Missstände im sozialen Wohnungsbau - von denen es viele in Großbritannien gibt - sind nicht Gegenstand der Ermittlungen. Das ärgert viele Überlebende. Wiederholt hatte die Anwohner-Initiative Grenfell Action Group auf Sicherheitsmängel und marode Zustände im Hochhaus aufmerksam gemacht. «Nur ein katastrophales Ereignis wird das Unvermögen und die Inkompetenz unserer Vermieter ... entlarven», warnte die Gruppe vor dem Unglück.

Auch die Wohnungsgesellschaft und der örtliche Bezirksrat stehen daher im Visier der Ermittler. Als Verantwortliche in Frage kommen insgesamt Dutzende Firmen und Organisationen, die mit der Verwaltung, dem Bau und der Instandhaltung des Gebäudes zu tun hatten. Vieles deutet darauf hin, dass ein Mix aus Missmanagement und falschen Baumaterialien zu der Brandkatastrophe beigetragen haben könnte.

Vor allem die Fassadenverkleidung steht im Verdacht, die Ausbreitung der Flammen beschleunigt zu haben. Sie war erst bei Renovierungsarbeiten 2015 und 2016 angebracht worden. Eine Untersuchung von 600 Hochhäusern im Auftrag der Regierung mit ähnlichen Fassaden zeigte: Der Grenfell Tower ist längst kein Einzelfall. Ein Gebäude nach dem anderen fiel bei den Tests durch.

Der Umgang mit den Überlebenden stieß ebenfalls auf Kritik. Die Unterbringung in Notunterkünften verlief anfangs chaotisch. Noch immer sind viele Familien in Hotels untergebracht. Zahlreiche Menschen leiden seit dem Brand unter erheblichen psychischen Problemen; mehrere haben versucht, sich das Leben zu nehmen.

Und auch sonst gab es viel Ärger: Betroffene nahmen es May ziemlich übel, dass sie erst sehr spät mit ihnen sprach - die Queen, der Bürgermeister und Oppositionsführer Jeremy Corbyn waren schneller und wirkten engagierter. Der Vorsitzende des Bezirksrats musste zurücktreten: Er weigerte sich trotz eines anderslautenden Gerichtsurteils, die Sitzungen des Gremiums öffentlich abzuhalten.

Doch es gibt auch Lichtblicke: Die Nachbarschafthilfe rund um den Grenfell Tower für die Überlebenden war enorm. Die Feuerwehrleute, die nach ihren Einsätzen körperlich und psychisch fix und fertig waren, werden als Helden gefeiert. Die Opfer sind nicht vergessen; selbst beim trubeligen Notting-Hill-Karneval gab es eine Schweigeminute. Und vielleicht werden bei anderen Hochhäusern Mängel beim Brandschutz nicht nur entdeckt, sondern auch schnell behoben.

Die Feuerwehrchefin von London, Dany Cotton, sagte am Mittwoch in einem BBC-Interview: «Grenfell sollte ein Wendepunkt sein.» Ihre Forderungen klingen fast bescheiden: In allen Hochhäusern sollten erst einmal Sprinkleranlagen installiert werden. Die müssen zwar seit dem Jahr 2007 in England in über 30 Meter hohen Neubauten installiert sein. Ältere Gebäude mussten aber bislang nicht nachgerüstet werden - auch nicht der 1974 gebaute Grenfell Tower.

10:09 13-09-2017




 
 
 
 
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