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Die Stimme der Karibik verstummt – Dichter Derek Walcott gestorben


Der Dichter und Dramaturg schlug eine Brücke zwischen dem Lebensgefühl der Karibik und der europäischen Kulturtradition. 1992 wurde er mit dem Literaturnobelpreis geehrt. Die Karibikinsel St. Lucia trauert um ihren großen Poeten.

Walcott galt als Mittler zwischen karibischem Lebensgefühl und westlicher Kulturtradition. 1992 war er mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet worden. Er werde «für ein poetisches Werk großer Leuchtkraft» ausgezeichnet, das von der historischen Vision eines multikulturellen Engagements getragen werde, begründete das Nobel-Komitee damals seine Entscheidung. «In ihm hat die westindische Kultur ihren großen Dichter gefunden.»

Die internationale Schriftstellervereinigung PEN bedauerte Walcotts Tod. «Er war zweifellos ein handwerklicher Meister. Ein Dichter, der Ton und Bild nahtlos aneinanderfügte», sagte Exekutivdirektor Carles Torner. Er habe einen großen Einfluss auf die zeitgenössische Literatur gehabt, sagte PEN-Präsidentin Jennifer Clement.

«Die Kulturgemeinde, St. Lucia und die Welt haben eine literarische Ikone verloren», hieß es im Nachruf der Stiftung für kulturelle Entwicklung. «Er war immer sehr offen, was die Kultur und das Erbe der Insel angeht. Seine Liebe für St. Lucia und die Karibik war offensichtlich.»

Walcott habe seit längerem an einer schweren Krankheit gelitten und eine Dialyse-Behandlung gemacht, sagte ein Freund der Familie der Zeitung «St. Lucia Times». Er sei einige Zeit im Krankenhaus gewesen und erst kürzlich entlassen worden.

«Er war ein karibischer Patriot», sagte Premierminister Allen Chastanet. «Sein Tod ist ein großer Verlust für St. Lucia und die Welt.» Er habe angeordnet, die Nationalflaggen in dem Karibikstaat bis kommenden Dienstag auf halbmast zu setzen.

Walcott veröffentlichte mehr als 20 Gedichtbände und über 30 Theaterstücke. Als sein wichtigstes Werk gilt das 1990 publizierte Versepos «Omeros», eine Adaptation des Trojanischen Kriegs als sozialer Konflikt zwischen Fischern in der Karibik. Bei Kritikern galt er als «zeitgenössischer Homer».

An der Boston University gründete er 1981 die Theatergruppe
Boston Playright's Theatre. Von 2010 bis 2013 lehrte er Poesie an der Universität von Essex in Großbritannien. Nach Jahren im Ausland lebte er zuletzt wieder überwiegend auf seiner Heimatinsel St. Lucia.

04:02 18-03-2017




 
 
 
 
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