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Die sechs Stiftungen von Günter Grass


Die sechs Stiftungen im Überblick:

- Stiftung Alfred-Döblin-Preis: Der zuletzt mit 15 000 Euro dotierte Preis ist benannt nach dem Autor (1878-1957) des Romans «Berlin Alexanderplatz». Ausgezeichnet werden seit 1979 noch unvollendete Manuskripte - um junge Autoren zu unterstützen, so wie es die Gruppe 47 im Jahr 1958 mit ihrem Preis für Grass' Debütroman «Die Blechtrommel» getan hatte. Für Grass war Döblin ein literarisches Vorbild. Die Stiftung vergibt Aufenthaltsstipendien im Alfred-Döblin-Haus in Wewelsfleth (Schleswig-Holstein). Das Haus hat Günter Grass dem Land Berlin zur Förderung von Autoren überlassen.

- Daniel-Chodowiecki-Stiftung (1992 gegründet): Sie erinnert an den deutschen Zeichner (1726-1801) mit polnischen und hugenottischen Vorfahren, der einst von Danzig nach Berlin zog. Den Preis (5000 Euro), den Grass als Brückenschlag zwischen seiner Geburtsstadt Danzig und Deutschland verstand, erhalten polnische Grafiker.

- Stiftung zugunsten des Romavolks (1997): Sie verleiht den Otto Pankok Preis und einen Förderpreis - etwa alle drei bis vier Jahre. 2018 wird der Preis wieder verliehen, er ist benannt nach dem Düsseldorfer Kunstprofessor Otto Pankok (1893-1966). «Er war einer meiner Lehrer und zeichnete zeitlebens Zigeuner. Mit seiner aufrechten Haltung ist er an der Kunstakademie die für mich prägende Figur gewesen», sagte Grass einmal. Im Umfeld der Preisvergaben gibt es oft Veranstaltungen wie bereits eine Fotodokumentation über das Leben der Sinti und Roma in Europa.

- Wolfgang-Koeppen-Stiftung (2000): Das Geburtshaus des Schriftstellers Wolfgang Koeppen (1906-1996) in Greifswald (Mecklenburg-Vorpommern) drohte zu verfallen. Dank der Initiative von Günter Grass und seines Freundes Peter Rühmkorf wurde es mit Hilfe des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder (SPD) vor dem Verfall gerettet und ist seit 2002 eine literarischen Begegnungs- und Forschungsstätte. Ein Höhepunkt ist das Literaturfestival «Koeppentage». Die Stiftung vergibt keinen Preis, sie fördert Veranstaltungen über Koeppens Werk.

- August-Bebel-Stiftung (2010): Sie verleiht seit 2011 alle zwei Jahre den August-Bebel-Preis - bisher an Oskar Negt, Günter Wallraff, Klaus Staeck und Gesine Schwan (2017). Die Stiftung ehrt Menschen, «die sich ähnlich August Bebel um die soziale Bewegung in Deutschland verdient gemacht haben». Bebel (1840-1913) war einer der Begründer der deutschen Sozialdemokratie.

- Günter und Ute Grass Stiftung (2011): Sie widmet sich der Pflege und Erschließung des Werkes von Grass. Die meisten Manuskripte, die nach 1995 entstanden, sind Eigentum der Stiftung. Sie hat ihren Sitz in Lübeck. Vorsitzende des Vorstands ist Ute Grass, die Witwe des Autors. Zum Vorstand gehören auch der Germanist und Grass-Lektor Prof. Dieter Stolz, der dänische Übersetzer Per Øhrgaard und der Hamburger Jurist Joachim Kersten. Zu den Schriften der Stiftung gehören die «Freipass» -Buchbände (Ch. Links Verlag, Berlin) mit literarischen und politischen Themen. Der dritte «Freipass» erscheint 2018 - mit Beiträgen zur 1968er-Bewegung in Prag, Paris und Berlin sowie zum Briefwechsel von Grass und Marcel Reich-Ranicki.

Natürlich sei das zurzeit entsetzlich niedrige Zinsniveau ein Problem bei der Wiederanlage des Kapitals der Stiftungen, sagte Hilke Ohsoling, Grass' langjährige persönliche Mitarbeiterin und jetzt Geschäftsführerin der Günter und Ute Grass Stiftung in Lübeck. «Wir könnten durchaus mehr Spenden gebrauchen.» Projektvorschläge gebe es viele, aber sie müssten realisierbar sein.

05:10 12-10-2017




 
 
 
 
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