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«Die größte Sängerin der Welt» – Vor 40 Jahren starb Maria Callas


Sie ist heute wohl fast noch berühmter als zu Lebzeiten: Auch 40 Jahre nach ihrem Tod ist der Mythos Maria Callas ungebrochen.

Es ist eine Geschichte von Triumphen, Exzessen und Tragödien, die an die Lebensdramen von Popstars wie Janis Joplin oder Michael Jackson erinnert. Auch bei der Callas war alles exzessiv: Der Kampf gegen das Übergewicht, der viel zu früh ihre Stimme auch in Mitleidenschaft zog; die Liebesaffären und Ehen unter anderem mit dem griechischen Milliardär Aristoteles Onassis. Aber vor allem die Hingabe an die Kunst.

Zum Todestag an diesem Samstag lässt sich in der Neuausgabe von 20 Opern-Mitschnitten die Faszination der Callas wieder erleben. Die klanglich überarbeiteten Live-Aufnahmen des Musiklabels Warner rücken die Stimme in den Vordergrund. Ein Team um den Warner-Manager Bertrand Castellani trug die Bänder aus Archiven zusammen. «Es war wie eine archäologische Suche», sagt der studierte Musikwissenschaftler.

Zur Jubiläumsausgabe gehören zwölf Opern, die Callas nie im Studio aufgenommen hat, allesamt Radio-Mitschnitte aus den Jahren von 1949 bis 1964. Die Hörer tauchen in eine versunkene Klangwelt ein, doch fast ohne Rauschen und Knistern, digital wurde die richtige Tonhöhe für alle Aufnahmen eingepegelt. Über den Verkauf gibt sich Castellani zuversichtlich. «Die Callas ist ja heute fast berühmter als zu Lebzeiten», sagt er.

Dabei waren die Anfänge der in New York geborenen und in Griechenland aufgewachsenen Maria Anna Sofia Cecilia Kalogeropoulou alles andere als glamourös. «Lächerlich», dass so ein Mädchen singen wolle, hatte ihre erste Lehrerin Maria Trivella gesagt. Doch als sie ihre neue Schülerin hörte, verstummte sie. «Der Klang ihrer Stimme war warm, lyrisch, intensiv.» Damals fühlte Maria sich als «hässliches Entlein», immer im Nachteil gegenüber der Schwester, drangsaliert von der ehrgeizigen Mutter, die sich vom Vater getrennt hatte und mit den beiden Kindern in die Heimat zurückgekehrt war.

Ihren großen ersten Erfolg errang Maria Callas 1947 in der Arena di
Verona in Ponchiellis «Gioconda». Sie lernte den Ziegeleibesitzer Giovanni Battista Meneghini kennen und heiratete ihn 1949. Meneghini wurde zu ihrem wichtigsten Förderer. Der internationale Durchbruch kam vier Jahre später - in Mexiko. In Verdis «Aida» löste sie Begeisterungstumulte aus, eine Aufführung von 1950 gehört zur Neuausgabe.

Zu Beginn ihrer zweiten Saison 1952 an der Mailänder Scala wurde
sie als Lady Macbeth unangefochtene Königin im Haus. Die nächste
Saison begann sie dann als Medea unter Leonard Bernstein, der sie
«die größte Sängerin der Welt» nannte. Zur Neuausgabe gehört ein Mitschnitt von Bellinis «Sonnambula», auch unter Bernsteins Leitung.

Zu ihren Paradestücken gehörte die «Wahnsinnsarie» aus Lucia di Lammermoor, die in der Gesamtaufnahme aus Berlin von 1955 mit Herbert von Karajan eindrucksvoll dokumentiert wird. «Maria Callas hat den Belcanto wieder erweckt», sagte die Mezzosopranistin Cecilia Bartoli einmal. «Sie öffnete ein neues Tor für uns, für alle Sänger weltweit», erinnerte sich Montserrat Caballé. Tatsächlich erschloss Callas ein neues Repertoire. Die Opern von Donizetti, Bellini und Rossini waren bis dahin im Spielplan fast nicht präsent.

Callas' Stimme, die mehr als zwei Oktaven umfasste, setzte sich aus unterschiedlichen Klängen zusammen: eine tiefe, dramatische Bruststimme, eine matte Mittellage und eine funkelnde Höhe. «Fantastisch», musste selbst ihre Rivalin Renata Tebaldi zugeben.

Schlagzeilen machte Callas nicht nur mit Kunst. Weltweit berichtet
wurde über ihre Absagen, Hungerkuren und Kollegenschelte. Mit einer
Brachialdiät magerte sie sich von 92 auf 63 Kilo herunter. Die
Rivalität mit Tebaldi füllte die Boulevardpresse. Callas duldete keine zweite Göttin neben sich. «Sie litt an einem unmenschlichen
Minderwertigkeitskomplex. Dies war die treibende Kraft hinter ihrem
ruhe- und ruchlosen Ehrgeiz«, meinte der Produzent Walter Legge.

Früh zog sie sich vom Gesang zurück, trat nur noch in leichten Partien auf und gab Unterricht. 1964 versuchte sie ein Comeback mit «Tosca» in London. Anderthalb Jahre hatte sie nicht mehr auf der Bühne gestanden, die Rückkehr mit einer Inszenierung von Franco Zeffirelli wurde zum Triumph, der Mitschnitt schließt die neue Callas-Edition.

Am 16. September 1977 starb sie mit 53 Jahren in Paris. Offiziell wurde eine Herzattacke angegeben. Schnell wurden Gerüchte über eine Medikamentenvergiftung und Selbstmord laut. Ihre Leiche
wurde eingeäschert und auf dem Friedhof Père-Lachaise beigesetzt.
Vier Jahre später wurde ihre Asche in die Ägäis gestreut.

05:04 13-09-2017




 
 
 
 
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