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Deutsche Wirtschaft sucht ihre Russland-Chance nach Putins Wiederwahl


Politisch ist Russland ein Riese, wirtschaftlich bleibt es unter seinen Möglichkeiten. Das bremst auch den Handel mit Deutschland. Die deutsche Wirtschaft fragt vor allem: Kommt bald ein Ende der Sanktionen?

Doch falls der deutsche Verbraucher nach der Präsidentenwahl am 18. März auf einen Job im Russland-Geschäft hofft, wird es schwierig. Der bilaterale Wirtschaftsaustausch läuft insgesamt auf Sparflamme. Das liegt zum einen an der politischen Großwetterlage seit Russlands Übergriffen auf die Ukraine 2014. Die EU und die USA haben Sanktionen verhängt, Moskau hat mit eigenen Strafmaßnahmen geantwortet.

Das niedrige Niveau liegt aber auch an fehlenden Reformen in Russland, an der Abhängigkeit vom Ölpreis, an der einseitigen Rohstoffwirtschaft, an Korruption und der bürokratischen Gängelung von Firmen. Das größte Land der Welt ist schon in den vergangenen Jahren unter seinen Möglichkeiten geblieben, die Wirtschaftsleistung ist nur etwa so hoch wie die der Benelux-Staaten. Der russische Verbraucher hat zuletzt vier Jahre in Folge hinnehmen müssen, dass er real weniger im Geldbeutel hatte.

Wenig deutet darauf hin, dass der Kremlchef künftig in der Wirtschaft umsteuern wird. «Putin gewinnt, und für die Wirtschaft wird sich nichts ändern», sagte der Moskauer Restaurantbesitzer Sergej Mironow in einer Umfrage unter Unternehmern. «Der Druck auf die Unternehmen wird nach der Wahl zunehmen», erwartet Jewgeni Tschitschwarkin, Gründer der Telekom-Ladenkette Jewrosetj, sogar.

Trotzdem sucht die deutsche Wirtschaft ihre Chance in Russland, sie rechnet bis 2024 fest mit Putin. «Beim Ausgang der Wahl wird es kaum Überraschungen geben», sagt Michael Harms, Geschäftsführer des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft. «Viel interessanter ist die Frage, wie Putin in seiner verfassungsmäßig letzten Amtszeit agieren wird. Es geht um die Herausforderung, einen Machtübergang zu organisieren.»

Und Harms sieht zumindest einen Hoffnungsschimmer, dass Bewegung in den Sanktions-Streit kommt: «Ohne substanzielle Fortschritte in der Ukraine-Krise sehen wir kaum eine Chance für eine Aufhebung der gegenseitigen Sanktionen, ob uns das gefällt oder nicht. Es kann aber durchaus sein, dass Putin seine letzte Amtszeit nutzen will, um einen Schritt auf den Westen zuzugehen im Ukraine-Konflikt.»

Die gegenseitigen Sanktionen haben deutsche Unternehmen getroffen. Insgesamt aber konnte die deutsche Wirtschaft die Folgen mehr als verkraften - der Aufschwung hält an, die Exporte in alle Welt laufen gut. Und bilateral gab es vergangenes Jahr sogar eine Trendwende. Die Exporte nach Russland stiegen um fast 20 Prozent. «Der Weg zurück zu den Rekordzahlen aus dem Jahr 2012 mit rund 80 Milliarden Euro Handelsumsatz ist noch sehr weit, aber die Richtung stimmt wieder», sagt der Vorsitzende des Ost-Ausschusses, Wolfgang Büchele.

Auch der Deutsche Bauernverband will Verhandlungen mit Moskau über einen Abbau der gegenseitigen Sanktionen. Russland hat die Einfuhr vieler Lebensmittel aus der EU verboten, darunter hat die deutsche Landwirtschaft gelitten. «Russland war für den deutschen Agrarsektor ein wichtiger Markt mit einem Handelsvolumen von 1,6 Milliarden Euro pro Jahr», sagt Bauernpräsident Joachim Rukwied. Doch selbst für den Fall, dass die Sanktionen aufgehoben würden: «Der Markt ist weg», sagt Rukwied. «Das dauert Jahre, den wieder aufzubauen, wenn nicht ein Jahrzehnt.» Russland habe bei der Schweine- und Milchproduktion seine eigene Erzeugung massiv gesteigert.

Massive Folgen hatten die Sanktionen auch für den Unternehmer Gottfried Prechtl. «Unser Russland-Geschäft ist eingebrochen nach dem Embargo», erzählt der 60-Jährige. «Wir standen kurz vor dem Bankrott.» Der Unternehmer hat in Birkenau in Hessen eine Firma mit sieben Beschäftigten und stellt Luxusjagdwaffen her. «Wir haben 70 Prozent unseres Umsatzes mit Russland gemacht.» Das Geschäft sei nach Beginn der Sanktionen 2014 zum Erliegen gekommen. Die Bundesregierung habe keine Ausfuhrgenehmigungen mehr erteilt. Immerhin habe er nach langem Hin und her noch Altaufträge abarbeiten können.

«Ich halte das Embargo für sinnlos», sagt Prechtl. Der Büchsenmacher liefert nun verstärkt Einzelteile an europäische Kollegen, die wiederum nach Russland liefern: «Das ist absolut legal.» Daneben bemühe sich sein Unternehmen, auf neuen Märkten Fuß zu fassen, zum Beispiel in den USA oder in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Eine Jagdwaffe aus Prechtl-Produktion kann den Wert eines guten Mittelklassewagens haben, wie der Unternehmer erzählt - und eine Waffe von ihm habe bald einen besonderen Platz: im Kremlmuseum.

09:17 12-03-2018




 
 
 
 
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