Thursday, November 23, 2017   Last Update: 7:53 AM EST
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Befürchtung eines Militärputsches in Simbabwe erhärtet sich


Soldaten und gepanzerte Fahrzeuge in Harare haben Befürchtungen vor einem Militärputsch ausgelöst. Simbabwes Regierungspartei wirft dem Armeechef Verrat vor. Westliche Botschaften warnen ihre Staatsbürger.

Die Zuspitzung der Lage hatte sich ergeben, nachdem Militärchef General Constantino Chiwenga der Regierung von Langzeitpräsident Robert Mugabe (93) am Montag öffentlich gedroht hatte, die Armee sei angesichts der Krise im Land bereit «einzuschreiten». Die Regierungspartei Zanu-PF erklärte daraufhin am Dienstagabend, die Äußerungen Chiwengas «legen verräterisches Verhalten nahe, da sie zur Anstachelung des Widerstandes und einer gewaltsamen Auflehnung gegen die verfassungsrechtliche Ordnung aufriefen». Es müsse klar das Primat der gewählten politischen Führung gelten, hieß es weiter.

Mugabe selbst hat sich bislang nicht öffentlich geäußert. Einer seiner Mitarbeiter sagte am Dienstag, der Staatschef gehe wie gewohnt seinen Amtsgeschäften nach. Ein Analyst der Beratung ExxAfrica, Robert Besseling, erklärte hingegen, die Funkstille der Regierung deute darauf hin, dass Mugabe die Kontrolle über die Situation verloren habe. Sollte es zu einem Militärputsch kommen, seien in der Nähe wichtiger Einrichtungen in Harare wie dem öffentlichen Fernsehsender und Regierungsgebäuden Kämpfe zwischen Fraktionen des Militärs und der Polizei zu befürchten, so Besseling weiter.

Die politische Krise in Simbabwe um die Nachfolge des seit 1980 regierenden Mugabe spitzte sich vergangene Woche zu, als Mugabe seinen langjährigen Vizepräsidenten Emmerson Mnangagwa feuerte. Mnangagwa gilt als Verbündeter von Armeechef Chiwenga. Die beiden kämpften mit Mugabe zusammen gegen das weiße Minderheitsregime im damaligen Rhodesien. Sie gelten als Kritiker von First Lady Grace Mugabe, die ihrem Mann im höchsten Staatsamt nachzufolgen hofft.

Dem französischen Auslandsradiosender RFI und dem US-Sender Voice of America zufolge gab es am Mittwochmorgen laute Explosionen im Zentrum von Harare. Die Berichte beriefen sich auf Anwohner, die die Explosionen gehört hatten. Es blieb zunächst unklar, was die Explosionen verursacht hatte und was sie zum Ziel hatten. Die britische Botschaft rief ihre Bürger in Simbabwe ebenfalls auf, bis zu einer Klärung der Lage zuhause zu bleiben.

Eine Bürgerin in Harare, Vivian Chinhengo, sagte am Dienstag, dass im Zentrum der Stadt an fast jeder Kreuzung Soldaten zu sehen seien, was «sehr ungewöhnlich» sei. Ein anderer Augenzeuge, Clement Gomo, sagte, er habe bei der Fahrt ins westliche Chinhoyi mehrere gepanzerte Fahrzeuge in Richtung Harare fahren sehen. In der Nacht zum Mittwoch wurden auch in der Stadt gepanzerte Fahrzeuge gesehen.

Ein Analyst der Risikoberatung Verisk Maplecroft erklärte, die erhöhte Militärpräsenz sei ein klares Zeichen an Mugabe, dass die Streitkräfte notfalls einschreiten würden, um Grace Mugabe als Präsidentin zu verhindern. Mugabe habe sich lange auf das Militär als Garant seiner Macht gestützt, nun stünden er und seine Frau «an einer politischen Klippe», erklärte Charles Laurie.

Simbabwe mit seinen etwa 15 Millionen Einwohnern gehört einem UN-Index zufolge zu den ärmsten Staaten der Welt. Mugabe hat die frühere Kornkammer des südlichen Afrikas heruntergewirtschaftet. Das Land hat sich bislang noch nicht von einer schweren Wirtschaftskrise erholt, in Folge derer es 2008 zu einer galoppierenden Hyperinflation und dem Zerfall der Landeswährung kam.

03:04 15-11-2017




 
 
 
 
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