Saturday, August 19, 2017   Last Update: 6:41 PM EST
decrease text size increase text size
Slide background
Slide background
Suchen:      



«Babylon Berlin»-Autor Volker Kutscher plant jetzt bis 1938


Gereon Rath ist Kommissar im Berlin der 30er Jahre. Romanleser kennen ihn schon seit zehn Jahren, doch jetzt kommt er auch ins Fernsehen. Im Berlin-fernen Köln bastelt sein Erfinder Volker Kutscher derweil an Raths Zukunft. Es kann nur schlechter werden.

Gereon Rath ist Kommissar im Polizeipräsidium am Alexanderplatz in Berlin - vor fast 90 Jahren. Die Geschichten spielen in der Endphase der Weimarer Republik und zu Beginn der Nazi-Diktatur. Die Art und Weise, wie Kutscher Krimiplot und Zeitkolorit, historische Alltagsrealität und Fiktion miteinander verschränkt, fesselt seine Leser. Sechs Bücher sind bisher erschienen, der erste Roman bildet die Grundlage für «Babylon Berlin». Die 16-teilige Reihe ist ab 13. Oktober zunächst beim Bezahlsender Sky Atlantic zu sehen, Ende 2018 dann in der ARD.

In der Serie werden einige Handlungsstränge aus dem Buch zusätzlich ausgebaut. Außerdem tauchen ein paar Promis aus der Zeit auf, so etwa Außenminister und Friedensnobelpreisträger Gustav Stresemann. Für Kutscher ist vor allem wichtig, dass man das Ganze nicht distanziert von außen betrachtet wie in einer historischen Dokumentation, sondern sich der damaligen Welt selbst zugehörig fühlt. «Es ist der Versuch zu zeigen, wie modern diese Welt eigentlich schon war. Der Versuch, die zeitliche Barriere von 80, 90 Jahren vergessen zu machen. Und das ist im Film sehr gut gelungen, finde ich.»

Das alles erzählt er in einem Café im Berlin-fernen Köln, seiner Heimatstadt. Die Faszination für das wilde Berlin der 20er und 30er Jahre entstand bei ihm, noch ehe er die Stadt zum ersten Mal betreten hatte: «Das begann mit Erich Kästner. "Emil und die Detektive", "Pünktchen und Anton". Da steckt sehr viel echtes Leben drin, da werden Straßennamen und Gebäude genannt, die es wirklich gab. Da liest man von Kindern, die auf der Weidendammer Brücke stehen und Streichhölzer oder Schnürsenkel verkaufen. Das war etwas, wo ich sofort eingestiegen bin.» In gerader Linie kam er von dort zu «Berlin Alexanderplatz» und anderen klassischen Berlin-Romanen. «Ich wäre damals aber nie auf die Idee gekommen, in dieser Welt einmal selbst Kriminalromane anzusiedeln.»

Das geschah erst sehr viel später, als der Journalist schon einige Regionalkrimis aus seiner bergischen Heimat nahe Köln veröffentlicht hatte. Eben weil ihn die Zeit so fasziniert, macht ihm das Recherchieren in Büchern, Archiven und alten Zeitungen großen Spaß. «Egal ob Autos, Mode, Bauhaus - das find' ich alles ziemlich gut. Und dazu kommen die hoffnungsvollen politischen Ansätze, die 1933 dann fatalerweise auf einen Schlag erstickt wurden. Diese Tragik hat mich auch schon immer beschäftigt.»

Ursprünglich sollte die Serie 1936 enden, mit einem Kriminalfall vor dem Hintergrund der Olympischen Spiele in Berlin. Inzwischen hat er es sich aber anders überlegt: «Weil das ein zu harmloses Jahr wäre, um aus der Serie auszusteigen.» Gleichwohl wird Rath 1936 den Polizeidienst verlassen, weil die Arbeit der Kriminalpolizei immer stärker von Himmlers SS kontrolliert wird. Denn so ist es eben, wenn man ausgehend von 1929 weitererzählt: Es kann nur schlechter werden.

Angedacht ist, dass Rath im Jahr 1938 noch einen Fall als Privatmann löst. Danach ist Schluss. «Da werde ich auch nicht mit mir reden lassen», versichert Kutscher. Gut vorstellen kann er sich dagegen, eine neue Serie zu entwickeln, eventuell aus den 1940er oder 50er Jahren, weil das auch eine große Umbruchzeit war. Aber alles noch ohne Gewähr.

Jetzt hat er erstmal das '35er Buch angefangen. Arbeitstitel: «Marlow», nach Raths Gegenspieler aus der Berliner Unterwelt. «Das wird so ein bisschen ein Showdown zwischen den beiden.»

Ebenso wie sein Held Gereon Rath ist Kutscher Rheinländer, aber anders als dieser ist er nie nach Berlin umgezogen. «Es ist aber so etwas wie meine zweite Heimat, auch wenn ich dort keinen Wohnsitz habe», sagt der Kölner. «Seit 1985 bin ich mindestens einmal im Jahr dort gewesen.» Er flaniert dann gerne durch die Berliner Straßen, spürt historische Ecken auf - und hat nach manchem Spaziergang schon wieder eine neue Romanidee.

07:03 13-08-2017




 
 
 
 
Sweet-bigger
Washington Sängerbund
health und treats
 
sb btm
 

Anzeigen

1
 
2
 
3