Tuesday, January 26, 2021   Last Update: 11:18 PM ET
decrease text size increase text size
Suchen:      
(Alle Nachrichten)



» «Auf das Leben!» – Maas trifft Holocaust-Überlebende in JerusalemVon Michael Fischer, dpa(Foto – aktuell)



«Ich bin wegen Auschwitz in die Politik gegangen.» Mit diesem Satz hat Außenminister Maas gleich zu Beginn seiner Amtszeit für Aufsehen gesorgt - auch in Israel. Holocaust-Überlebenden in Jerusalem erklärt er jetzt, was er damit genau gemeint hat.

Am 22. Oktober des vergangenen Jahres hat Elias Feinzilberg in Israel, wo er seit 1969 lebt, seinen 100. Geburtstag gefeiert. Bis heute wird er nicht müde, in Vorträgen über das zu berichten, was er und Millionen andere Juden im Holocaust erleiden mussten. Am Montagfrüh ist der neue deutsche Außenminister sein Adressat. Zusammen mit 30 weiteren Überlebenden sitzt er bei der Hilfsorganisation Amcha in Jerusalem Heiko Maas gegenüber und zeigt ihm die Häftlingsnummer, die man ihm in Auschwitz-Birkenau auf seinen rechten Unterarm tätowiert hat. «Das ist mein Name von Birkenau», sagt er in gebrochenem Deutsch.

Amcha ist eine Organisation die sich seit 1987 um die psychologische Betreuung der teils schwer traumatisierten Holocaust-Überlebenden und ihrer Nachfahren in zweiter und dritter Generation kümmert. Für Maas ist das alles andere als ein Standard-Termin, den man mal so nebenbei macht. In seiner Antrittsrede vor knapp zwei Wochen hat er einen Satz gesagt, der auch in Israel für Aufsehen gesorgt hat. «Ich bin wegen Auschwitz in die Politik gegangen.»

Amcha in Jerusalem ist nun der Ort, an dem er erklärt, was er meint. Weil er in der Schule keine Antworten auf seine Fragen zum Holocaust bekommen habe, habe er angefangen, sich mit seiner eigenen Familiengeschichte zu befassen. «Ich habe gehofft, dass ich in meiner Familie Menschen finde, die sich Hitler entgegengestellt haben. Ich habe nach einem Widerstandskämpfer in meiner Familie gesucht, aber ich habe keinen gefunden. Es waren alles nur Mitläufer», erzählt der Saarländer. «Ab da habe ich angefangen, mir Gedanken darüber zu machen, was ich selber tun kann und welchen Beitrag ich selber heute liefern kann, dass es so etwas nie wieder gibt.»

Seitdem steht der Kampf gegen Antisemitismus und Rassismus im Zentrum der politischen Arbeit des SPD-Politikers. Als Justizminister ist er so zur Hassfigur der rechten Szene geworden. Im vergangenen Jahr schrieb er seine Strategie gegen Rechts in einem Buch mit dem Titel «Aufstehen statt wegducken» auf. Und der erste Weg bei seinem Antrittsbesuch in Jerusalem führte ihn zur Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, wo er ins Gästebuch schrieb: «Die Schoah bleibt uns Mahnung und Auftrag, weltweit für Menschenrechte und Toleranz einzutreten. (...) Jeder Form von Antisemitismus und Rassismus müssen wir uns entschieden entgegenstellen - überall und jeden Tag.»

In Israel hat sich der neue Außenminister damit viele Freunde gemacht, allen voran Ministerpräsident Benjamin Netanjahu. «Das hat unsere Herzen erreicht», sagte er zu Maas bei einem Treffen in seinem Büro in Jerusalem. «Die Dinge, die Sie über den Holocaust gesagt haben, die Sie über Antisemitismus und Rassismus gesagt haben, sind die Dinge, die uns bewegen und inspirieren. Ich heiße Sie in diesem Geist willkommen.»

Solch freundliche Töne in Richtung Deutschland hat man vom israelischen Regierungschef lange nicht mehr gehört. Die vielen Streitthemen zwischen beiden Ländern vom Atom-Abkommen mit dem Iran bis zur israelischen Siedlungspolitik in den palästinensischen Gebieten werden bei diesem Antrittsbesuch zunächst einmal in den Hintergrund gerückt.

Auch die Holocaust-Überlebenden danken Maas für seine Worte. Am Ende serviert Ihnen der Minister Süßwein und Traubensaft. «Lechaim!», sagt er, während er das Glas erhebt. «Auf das Leben!»

16:07 26-03-2018
Share




 
 
 
 
 
sb btm

Anzeigen

1
 
2
 
3